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[Dritter Band. - Vierter Band.]
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inen, woher das Meer sein Salz habe? Erst spät kommen die stolzenErdensöhnc auf die Antwort, die Erde habe nicht bloß ihr Salz vomMeere, sondern selbst ihr süßes Wasser. Ebbe und Flut sind nichtbloß da um unseres Scchandcls willen, und das Gras nicht geradegrün, weil wir das Grüne lieben. Mathien Garo, der bei Lafontaineso schön über die Endursache» raisonnirt, da ihm eine Eichel auf dieNase fällt, würde sich vom Gegentheil in Ost- und Westindien über-zeugen, wo zwar keine Kürbisse auf den Bäumen wachsen, aber dochso ziemlich große Kokosnüsse und noch größere Kalebassen, ohne alleRücksicht auf menschliche Wcisheitsnasen. Unser Ich gleicht den Flüssen,die stets ihren Namen beibehalten und stets anderes Wasser rollen,und die größten artigsten Complimcntenmacher sagen, wo es daraufankommt: „Veitli, gang du voran, denn du hast Stiefel an!"

Die Generale, die nach der Schlacht von Salamis eidlich denMann anzeigen mußten, der sich am besten gehalten habe, gaben demThemistoklcs alle den zweiten Platz, jeder aber sich den ersten; aberder ist sicher der Größte, den Alle nach sich selbst für den Größten er-klären. Boileau behauptete, daß ein großer Mann nie vollkommenmit sich und seiner Schöpfung zufrieden sei, und scheint sich unter dieGroßen gezählt zu haben, hatte aber darin Recht, daß er dem Dich-terling Santeuil, der das Gegentheil von sich behauptete, sagte:„Sie sind der einzige große Miaun, der das von sich sagen kann."Leere Tonnen machen mehr Lärlnen als volle und stehen wie dieKoffres aufrecht, wenn sie leer sind; alle Blinde tragen die Köpfe ge-wöhnlich höher als Sehende und die Römer wußten für den letztenihrer armseligen Regenten keinen besseren Ekelnamen, als Superbns(der Stolze).

Vermöge der Eigenliebe, die uns so oft Andern und Andere unsmißfällig macht, würde man sich Alle gefallen lassen, sobald jeder sichMühe geben wollte, auch Allen zu gefallen und ihre Eigenliebe zuschonen oder ihr gar zu schmeicheln. Mau sagt: „Umgang schleift ab;"wohl wahr, aber es ist eigentlich nicht der Umgang, sondern Egois-mus, der den Schleifstein macht. Wir bemerken, daß Andere sich anunseren rauhen Ecken stoßen und die scharfe Seite sich endlich gegenuns selbst wendet; so fordert unser eigenes Interesse, Selbstschleifcr zuwerden — Scherenschleifer. In der Gesellschaft gewöhnt man sichleicht an Alles, am wenigsten aber an ungeschliffene Kritiker, und Ano-nymität geht nicht wie beim Recensenten, der unbekannt in seinerKlause hockt.