Band 
[Dritter Band. - Vierter Band.]
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Vermmftstolz führt gerne zu Nascwcishciten und alberner Ge-schwätzigkeit, ja zur Plumpheit, wo Erziehung und Weltumgang fehlen.So führt Vernunftdemuth znr Blödigkeit jener Prinzessin, die durch-aus nichts zu antworten wußte, daher ihre Obcrhofmcistcrin immerdas Wort nahm: „Ihre Durchlaucht wollen so viel sagen" rc. und ichweiß nicht, ob dieser Casus unter Schriftstellern je vorgekommen ist.Großthun scheint indessen immer natürlicher als Kleinthnn, denn diesist gewöhnlich Heuchelei, folglich gehässiger. Großthuer sind Jcari, diesich mit Wachsflügeln znr Sonne aufschwingen, schmelzen und in dasMeer purzeln, aber doch loarns loariis Nomina äoäit agnis,* Klcin-thucr aber sind meist schmutzige Dreckkäfer und ich wüßte nicht, daßein Dreckkäfer je sich einen Nanien gemacht hätte.

Es gibt feine und grobe Sclbstler. Es gibt solche ungeheureEgoisten, daß sie aus dem einsilbigen Ich, wenn sie es anssprcchcn,stets zwei Silben machen, daher ich die cbcnberührte Tonognomienochmals empfohlen haben will. Die Art und Weise, wie das Ichausgesprochen wird, vermag nicht bloß den Charakter eines Jchlings,sondern selbst Stand, Vermögen, Schönheit, Einfluß rc., ja verschie-dene Länder und Städte zu bezeichnen. Nur der vollendete Hofmannoder die Cvquette sprechen ihr Ich so veränderlich, daß sich nichts Be-stimmtes daraus schließen läßt. Die meisten Jchlinge haben etwasunangenehmes in ihren Sprachlauten, entweder tiefe rauhe Töne, wieBefehle, oder kreischende hohe, die Töne des Schwätzers, und in man-chen Gesellschaften erkennt man auch den Egoisten, wenn er nichtsspricht. Alle kgo gleichen dem Kollo, nur mit dem Unterschied, daßletzteres um so höher geschätzt wird, je öfter es sich wiederholt, diekxo aber im umgekehrten Falle sich befinden.

Gelehrte, und dann Geschäftsmänner an kleinen Orten, die seltendie Kunst des Umgangs studirl haben, treten mit Arroganz auf, wievor Untergebenen, und fließen von Selbstlob und Lügen über, je öftersie das: „Ohne mich zu rühmen," einflicken; niemand aber scheint mirdie Selbstliebe weiter zu treiben als Autoren. Barche kam zu seinemsterbenden Freunde Colardeau mit seinem Schauspiel: „Der Egois-mus," und fing an vorzulesen, um sein Urtheil zu vernehmen. „Schaltenoch," sagte Letzterer, „die Scene ein, wo ein Gesunder zu einemTodtkranken kommt, um ihm ein Lustspiel von 5 Akten vorzulesen."— Kant ist nicht von Egoismus freizusprechen; aber man bedenke: einberühmter Professor auf einer kleinen Universität, ein einsamer Hagc-» Seinen Namen gab JcaruL einst dem Irakischen Meere.