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Die Achtung (lüonsiäöration), welche unsere persönlichen Vor-zöge Andern einflößen, gewährt mehr Genuß als der sogenannte Ruf(rsputation); denn jene schließt sich an uns an, dieser lebt in derEntfernung, unter Menschen, die uns gar nicht kennen und wir sienicht, und rührt gar oft von Halbkcnncrn, Nachsprechen!, Lügnernund bloßen Gerüchten her. Der Ruf hat oft gar keinen Grund, dergute wie der böse, obgleich letzterer stets mehr Aufmerksamkeit zu er-regen Pflegt, und der gute ist nicht selten erschlichen durch Wachsamkeitüber Dceenz und Convenienz, die Tugend des Lasters, während oftder edelste Mensch in üblen Ruf geräth durch Vernachlässigung jenergeselligen Eigenschaft. Der Ruf begleitet uns wie der Schatten, undist bald größer, bald kleiner als wir; Mancher hat von außen einenrecht guten Ruf, zu Hause sehr schlechten, wo man ihn näher kennt,und Mancher wird wieder von Weib, Kindern und Verwandten wieein Abgott verehrt, der in der Welt für einen Schafskops gehaltenwird. Guter wie böser Ruf ist in der Regel nur halbwahr, dahersollte man sich eigentlich um seinen Ruf so wenig kümmern als umdie Rauchwölkchen seiner Tabakspfeife, wenn man nur das Gutethut und das Böse meidet nach Gewissen. Der Ruf plaudert, wasihm beliebt und wie gerade der Wind bläst, und hängt ab von der Mei-nung ; und was ist die Meinung ? Mit jeder Stufe, die man erklimmt,mehren sich Hindernisse, Gefahren und Unruhe, nicht selten selbst Ge-wissensbisse; und alle Huldigungen und Ehrenbezeigungen, gelten sieder Person oder vielmehr ihrem Platze? Die Achtung, die nicht verdient,sondern abgcnöthigt und gleichsam geboten ist, gleicht ganz der „Ach-tung!" die der commandircnde Offizier vor der Fronte aussprichtmit dem aufgehobenen Degen.
Das Gesetz der Ehre steht nicht immer in Einklang mit denGesetzen der Tugend und Vernunft. Man hält sich für geehrter, alsMüßiggänger von fremdem Verdienst zu leben, als im Schweiß seinesAngesichts sein Brod zu verdienen; man hält es für ehrenvoller, einemden Degen durch den Leib zu stoßen, oder mit einer Kugel ihm dasHirn zu zerschmettern, statt um Verzeihung zu bitten; und Einer mußdoch Unrecht haben? Es ist ein großer Fortschritt der Vernunftunserer Zeiten, daß die Blnträchcr der Araber (Gocl) und Morgen-länder, die Duellisten, so ziemlich ansgcstorbcn sind; im Naturstandesind sie natürlich; das Duell des Europäers war edler, offener als dieheimtückische, stille Blutrache des Orientalen — aber wo Gesetze herr-schen ? Vielleicht kommt die Nachwelt so weit, auch den Krieg aus
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