systcm, und die meisten „man sagt" die Vorrede dazu. Mau willauch bemerkt haben, daß, seit das Theater ein Hanptvcrgnügcn aus-macht, das Lügen allgemeiner geworden sei. Etwas ist daran, denndie Sinnlichkeit wird dadurch feiner und die Sittlichkeit gröber, undwas das Schnldcnmachcn betrifft, das auch zunimmt, so hängt es jabekanntlich ganz mit dem Lügen zusammen und ist sogar vornehm.
Hcrodot (HI, 72) enthält einen Kapitaltcxt über den Satz: „Woman lugen muß, darf man auch lügen." Unwahrheiten, wenn ich da-durch etwas Gutes erlange, ohne Andere zu beleidigen, oder Anderedadurch glücklicher mache, scheinen keine Lügen mehr, d. h. nicht un-moralisch. Gewiß ging der Pythagoräer Lysis viel zu weit, den einSchüler, da er gerade aus dem Tempel der Juno trat, bat, zu warten,bis auch er seine Andacht verrichtet habe. Lysis wartete den ganzenTag, die ganze Nacht, noch einen Theil des andern Tages, es kamkein Schüler, der Alles vergessen hatte; erst des folgenden Tages er-innerte er sich, da Lysis nicht im Hörsaal war, des Vorgangs, liefznm Tempel, und da saß Lysis, pünktlicher als jede Schildwachc, n.chvor der Thüre des Tempels. O wie dumm! werden wohl die Meistenrufen. Den alten Unterschied zwischen talsilogulnm und invncluoinin '(wo allein Verbindlichkeiten verletzt werden) wird man immer aufrechterhalten können, etwa begleitet von dem frommen Seufzer: „Die Weltliegt im Argen!"
Man kann die Lügen in vier Klaffen theilen. Erstens: Lügensx oklicio, ' die in der That von: Staatsdienst unzertrennlich scheinen.Schon die Lokricr schwuren Sicilicn ewige Freundschaft, so langesie die Erde zn Fußen und die Köpfe auf den Schultern hätten; dieSchlanköpfc hatten aber Erde in die Schuhe und Zwiebeln unter ihreSchultern gelegt. Carl V. versprach dem Landgrafen von Hessen, daßer ihn nicht in einiger Gefangenschaft halten wolle, aber das Worteiniger war geschrieben wie ewiger; und bei den Verhandlungenwegen Mailand mit König Franz I- sagte er: „Was mein BruderFranz will, will ich auch" (Mailand). So schwur Timur der Be-satzung von Scbastia, wenn sie sich ergebe, kein Blut zn vergießenund ließ sie lebendig begraben, und Nntigonns, ein König Maccdonicns,hat noch heute in der Geschichte den Beinamen Toson (Versprecher),der aber nur wenig bezeichnend ist, da ihn so viele Große und Klein-große mit ihm theilen. In ossiolo " entschuldigt die Noth Alles: Nothhat kein Gebot; es gibt auch Nothwehr, Nothdicbstahl, warum nicht> Falsch rcdc» »nd Lügen. — * Bon AmtSwcgcn. — » Im Amt.