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aber so wie sich dieser stets krank stellte, so stellte jener sich stets ärmerals er war, gereizter und unglücklicher.
Schon die Kinder lügen, die Bilder ihrer Phantasie sind so leb-haft als Empfindungen; der Knabe erzählt von seinem Steckenpferde,daß es hinansgeschlagen, und das Mädchen von ihrer Puppe, daß siemit ihr gesprochen und sie verstanden habe. Mütter und Wärterinnengehen dann noch weiter und sagen bei Unarten: Nicht wahr, das hastdu nicht gethan? das hat der garstige Hund gethan! die garstigeKatze! Dem Kind wird bald einleuchtend, daß es sich von Zank undStrafe frei mache, wenn es nachspreche, und man lacht über denSchelm, der nun noch weiter über seine Wahrscheinlichkeitstheorie raf-finirt, und der Lügner ist fertig. Die Fertigkeit wächst mit den Jah-ren, denn man kann dem Lügen leicht eine schöne Seite abgewinnen;man will Andern gefallen, sich wichtig machen; und wünscht man nichtvon gewissen traurigen Wahrheiten, daß es Lügen sein möchten?Swist's Houyhnhnms haben kein Wort für Lüge, denn es sind nurPferde, aber was sollte aus der eleganten Welt werden? Mancherwürde sogar noch mehr gefallen, wenn es ihm nicht ginge wie unsernModeproduktcn: der Kitzel fehlt nicht, aber der Geist, der Verstand,wenn auch nicht die Unverschämtheit. Lügen oder so sonderbare, er-sonnene Dinge belustigen die eigene Imagination, wie die Anderer,und jener Missionär äußerte: „Sie glauben gar nicht, wie angenehmes ist, zwanzigtansend Menschen Dinge vorzusagen, die man selbstnicht glaubt, die aber von ihnen geglaubt und mit offenstehendemMunde angehört werden."
Man kann die Lügen wie die Magie eintheilen, in die weißenund schwarzen; Leute von lebhafter Phantasie machen sich oft selbstetwas weiß und sagen es baun Andern, die um keinen Preis lügenwürden in ihren Beutel hinein und zum Schaden Anderer, wie ihrGegentheil, die schwarzen Lügner. Die Erziehung der Perser gingvon vier Punkten aus: „Gut schießen, gut reiten, nicht borgen undnicht lügen." Die zwei ersten Künste kann uns die stehende Armeeersparen, aber desto wichtiger sollten uns die zwei letzten Punkte sein,da der dritte gewöhnlich zum vierten führt. Aber ist nicht schon dieganze Theorie unserer Artigkeit auf Lügen gegründet? Sowie dieLügen französischer Galanterie offenbar dem Geschlecht das Köpfchenverdreht haben, so verhindert jene Theorie oder das savoir vivro ' denechten Wahrhcitssinn; unsere Höflichkeiten sind ein förmliches Lügcn-l Die Kunst, sich in der Welt zu bewegen und sich beliebt zu machen.