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[Dritter Band. - Vierter Band.]
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Lügen sind unsere ersten Milchspeisen, die Kindcrmährchcn, undnun kommen die vielen Einrichtungen im Lehr-, Wehr- und Nähr-stande, die den Erwachsenen mit der Nase aufs Lügen stoßen; schondie vielen Ja! Ja! die man erzwingt, müssen dahin führen. DieLüge erzeugt Gnade, Beifall und Fortkommen, die Wahrheit nurHaß und Mißgunst: der Teufel heirathe in eine solche Freundschaft.Wahrheit reden höchstens noch Kinder, Narren oder Besoffene — invino veritss ' — und selbst diese sind bei den vielen Mißjahren seltenergeworden wie Kinder, die man der Natur läßt; Narren machen keinenEindruck. Die Wahrheit scheint verloren wie griechisches Feuer und dieGlasmalerei der Alten; wir haben nur französische Muster, die unsereAltvordern wenig kannten: Loblügcn, Geschäfts- und Amtslügcn,Geschichtslügen, ästhetische Lügen, Galautcriclügen, Convcrsations-oder Höflichkeitslügen und Nothlügen. Die folgenreichsten bleiben immerdie sx okkiolo, und an gar viele Minister könnte der Fürst schreiben,was Friedrich einem Oberforstmeister schrieb: „Er schreibt mir ja ganzherrliche Sachen von seinem Departement; wenn nur die Hälfte davonwahr ist, so werde ich stets sein Sein wohlaffectionnirtcr Friedrich."— Gefährlicher als für die Minister sind die offiziellen Lügen derSubalternen an vorgesetzte Behörden, wenn sie frech genug sind, ihrenLeichtsinn und ihre Dienstnachlässigkeitcn zu beschönigen, und förmlicheLügen aä sota^ bloß als pfiffige Wendungen ansehen; es kann nureine Zeit lang gut thun, und ein Minister, bei dein ich einen Beamtenzu entschuldigen suchte, daß er doch keine eigentlichen Verbrechen be-gangen habe, sagte: „Nein, das nicht, aber sehen Sie hier, sehen Siedie Lügen llä avta. kaeinnt oumulnin, b Verbrechen genug. DieserMann weiß in der That nicht mehr, wenn er lügt, und hat es beimir leider so weit gebracht, daß ich im Stande bin, sein 2x2 — 4zu bezweifeln."

Lügen ist auch eine oft belachte Erbsünde der Reisenden, a boanwentir gut viont äs loin ^ und daher sind gar viele Reisen wahreRomane. Schon Lucian spottet darüber: aber die Reisen des Herrnvon Münchhausen wären eine weit bessere Satire noch, wenn derWitz in den drei letzten Bündchen nicht gar zu sehr iu's Platte fiele.Wirkung macht gewiß der schöne schwarze Fuchs, den er so langepeitschte, bis er aus der Haut fuhr, die nicht verdorben werden sollte;das Windspiel, das sich im Dienste so die Beine abgelaufen hatte, daß es

t Im Weine ist Wahrheit. — 2 Zu den Akten, in amtlicher Weise. — 2 Seineamtlichen Lügen bilden einen ganzen Haufen. — * Wer von fern kommt, hat gut lügen.