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[Dritter Band. - Vierter Band.]
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Geschwätz im Wirthshause oder Museum. Selbst die Künstler derAlten empfahlen sich durch Reden, und so sprach ein Athener bei einerwichtigen Baunnternehmung ungemeiu viel, und kein Athener zweifeltemehr, daß er der rechte Mann dazu sei; da trat ein anderer Künst-ler auf und sagte: „Athener! was dieser sagt, will ich thun," und dieAthener hatten doch so viel Verstand, diesen vorzuziehen.

König Carl II. von England mag für den König der Schwätzergelten: er erzählte Allen, die ihn anhören mochten, seine Geschichten inSchottland, Frankreich und den Niederlanden ausführlich, und gewöhn-lich verloren sich seine Znhörer, einer um den andern, ohne daß esSeine Majestät merkten. Rochcstcr sagte ihm, er begreife nicht, wieer den geringsten Umstand im Gedächtniß behalten und dann dochwieder vergessen könne, daß er Alles schon tausendmal erzählt habeCarl II- selbst bewunderte das Gedächtniß eines Mannes, der Alles,was er ihm erzählt, bis auf den geringsten Umstand behalten hatte,vergaß aber, daß er demselben schon den Abend zuvor dasselbe erzählthatte. Er wandte sich daher gerne an Fremde, die gewöhnlich ganzbczaubert wurden von der königlichen Herablassung, die doch nicktsweiter war als Schwatzlust. Wem wären solche Schwätzer nicht vor-gekommen? Von ihnen und lästigen Korrespondenten sagt ein Witz-kopf: „Man spricht, sie sind todt, ich glaube es aber nicht, weil siemir noch nichts davon gemeldet haben." Man kann über sie lachen,wenn sie nur nicht, gleich der Kirche, verlangten, daß man ihnen Allesglauben soll, da doch schon der Apostel sagt: „Der Glaube ist nichtJedermanns Ding." Glaubt man dem Livius nicht, daß ein Ochsgeredet habe, so beleidigt dies nicht die Götter, sondern bloß HerrnLivius.

Die Schwätzer gleichen der Lerche, die sich nie in die Luft erhebtohne schreckliche Umkreise, und dann erst ihr Liebchen singt; selbst imKäfig will sie sich gewohntermaßen erheben, und stößt sich leicht denKopf ein, wenn die Umgebung nicht sanfter Art ist, fällt zur Erdeund schweigt, was denn einen großen Unterschied macht zwischen Ler-chen und Schwätzern. Eine der verfluchtesten Redcformeln ist: „Alansagt; die ganze Stadt sagt es," und oft hat es ein einziger Lügnergesagt. Luther gab gerne das Räthsel auf: „Was ist Einem zu eng,Zweien gerecht, und Dreien zu weit?" ein Geheimniß; wenn drei etwasHeimliches wissen, so wisscn's hundert. Geheimnisse sind für Schwätzer,was unter den Louis das sogenannte soorot cks ta. posts, * d. h. das> Postgehenimiß.