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VI.
Ueber scherzhafte Schriften «nd Ana.
Zahllos wie des Meeres Sand sind die sogenannten scherzhaf-ten Schriften, die man jetzt lieber humoristisch nennt, auswelchen man am besten lernen kann, wie man nicht scherzen und hu-morisiren soll. Nicht jedes Witzspiel hat bleibendes oder druckwürdigesInteresse, und sollte mit dem Augenblick wieder verschwinden, der eserzeugte, um nicht als vertrocknetes Gerippe zur Schau zu liegen, denndie flatterhafte Natur des Scherzes, gerade wie die des Lachens, wider-strebt der Slereotypirung. Wie, wenn man alle Gcburts-, Namens-,Nenjahrsgedichte, vorzüglich Hochzeitgedichte, die scherzhaft sein müssen,sammeln wollte? Es wäre ein so großer Skandal als eine vollstän-dige Sammlung der Hochzcitgedichte unserer Herren Doktoren undMagister, valgo Dissertationen genannt; indessen waren sie noch inder Mitte des vorigen Jahrhunderts Handelsartikel, der den AntiquarCamerer zu Erlangen reich machte; er fuhr in einem Einspänner mitdem gelehrten Plunder von einer Universität zur andern, wie jetztGalanterie-, Wein- und Mineralwasserhändler von einem Landstädtchenzum andern.
Die Mehrzahl alter und neuer scherzhafter Schriften könnenhöchstens nur dadurch noch unterhalten, wenn man neugierig genugist, wissen zu wollen, wie und worüber man einst spaßte, wie Sittenund Geschmack zu dieser oder jener Zeit beschaffen waren, und umsich etwa zu wundern, wie so manche sittenlose, unanständige Scherzebei äußerst religiösen und steifen Zeiten, so manche frostige, platte undabgeschmackte Späße bei einem gewissen Grade von Kultur, und somanche gewagte bei despotischen Verfassungen und Adelsstolz eine sogute Aufnahme finden konnten. Sicher lächelt nian über die Geschmack-losigkeit, und noch mehr über die Genügsamkeit der Vorwelt.
Aus dem Alterthum sind Ovidius, Apulejus und Petronius übrig,vorzüglich aber des Hierocles achtnndzwanzig echte Schildbürgerstreiche,die er seinem ixoX«arix6; * unterlegt; leider sind die 159 lübsllilneptiarum 2 des Melissus, Bibliothekar des Kaisers Augustus, ein
i Jede dort erzählte Anekdote beginnt mit den Worten: Ein Dummkopfu. j. w. — ^ Sammlungen von Albernheiten.