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Gemüth durchdringendes Etwas, und der Sinn für das Heilige, Un-endliche , gehcimnißvolle Unbekannte, oder, wie die Bibel spricht, dasLeben in Gott, in sxiritn sttissimo.' Gott ist das Wesen der Wesen,natura naturans, die Welt und wir natnra naturata, ^ wie sich älterePhilosophen ausdrückten. Religion ist reine Sache des Gemüths undder Phantasie, wie die Poesie, und man zerstört das Wesen beider,wenn man sie unter Vernunftregeln bringen will; aber die Freigeister,die der öffentlichen Religion, nenne man sie Positive, oder wie man will,spotteten, hatten Unrecht, denn ein rohes, ungebildetes Volk muß etwasSinnliches haben, das oft weiter wirkt als die Gesetze des Staates, daherein kluger Staat jede Art Gottesverchrung schützen und bloß zu ver-hüten suchen muß, daß sie nicht ausarte in scheußlichen Fanatismus,schändlichen Priestertrug, und trübsinnigen Mysticismus, der mit derBürgerpflicht collidirt. Die alten Theologen, die da lehrten: „Manmuß die Vernunft gefangen nehmen unter den Gehorsam des Glau-bens," hatten mehr Recht, als jene Freigeister, hätten sie sich nurnicht hinwegesetzt über alle Vernunft.
Die Religion liegt im Uebergange von der Philosophie zur Nicht-philosophie, wie unsere Neuern richtig, wenn gleich dunkel philosophischsprechen. Jenseits der Vernunftwelt thut sich eine zweite auf, dieWelt des Gemüthes, Ahnung, Glaube, oder im neuphilosvphischenRothwelsch: „Das Bewußtsein des Nichtwissens von dem Höchsten imMenschen," was der Apostel Paulus schon weit natürlicher ausge-drückt hat: „die Zuversicht dessen, was man hoffet, und nicht zweifeltan dem, das man nicht siehet." Gott, Vorsehung, Unsterblichkeit sinddie höchsten Menschenideen und zugleich das höchste Maß menschlicherUnwissenheit, alle Theodiceeu von Hiob bis Leibnitz bloße menschlicheSachwaltereien und Salbadereien über Dinge, die über unsern Hori-zont Hinausliegen, folglich lächerliche Anmaßungen. Gibt es ange-borene Gefühle, so sind es die Ahnungen vom Dasein einer erstenUrsache, von einem Ich des Weltalls, von einem Leben nach demTode. Alles über die Vernunft (methaphysisch), und was diese jedarauf geantwortet hat vou Anaxagoras bis auf Kant, Jacobi, Schel-ling, Fichte und den größten aller Dunkelmänner, Hegel, hat schonein Mädchen beantwortet vor uralten Zeiten, das ländliche, einfacheEcho: Was ist Gott? — Gott.
Jede Religion ist eine Art Mystik im guten Sinne des Wortes;
l Im höchsten Geiste. — 2 Die uaturichaffende Natur. — Die naturgeschasscne Natur.