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[Siebenter Band. - Achter Band.]
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Unter Gebet kann ich mir nichts anders denken, als einen Durch-bruch der Empfindungen von Gott und seiner Güte, das da, wo dasHerz spricht, mit einem: O Gott! am natürlichsten abgethan ist (esist ungesähr wie das Lautreden in der Einsamkeit); solglich erscheinenlange Gebete als lange gedankenlose Formeln. Gott gab uns soVieles, daß wir ihn billig mit so vielen Bitten verschonen sollten, undin gewissen Umständen ist das Gebet sogar unmöglich, und das Angst-gebet vollends eine wahre Impertinenz. Die Mutter von BürgersLenore sagt zwar:

Hilf, Gott, hilf! sieh' uns gnädig an,

Kind, bet' ein Vater Unser,

Was Gott thut, das ist Wohl gethan,

Gott, Gott erbarmt sich unser!

Lenore aber meint:

O Mutter! Mutter! was mich brennt,

Das lindert mir kein Sakrament,

Kein Sakrament mag LebenDen Todten wieder geben.

Jener Pastor betete bei jeder guten Zeitungspost mit Simeon:„Herr, nun lässest du deinen Diener im Frieden fahren," jedoch stetsmit dem bedächtigen Beisatz: „Wenn Zeit und Stunde gekommen ist."Er scheint mehr dabei gedacht zu haben, als jener achtzigjährige Fürstbei seinem Morgensegen: „O Herr, nimm mich nicht weg in derHälfte meiner Tage" (wobei der Erbprinz natürlich saure Gesichterschnitt), oder jener Reichsgraf, der zu Hamburg in die Elbe fiel, undin der Angst betete: „Komm, Herr Jesus, sei unser Gast!"

Indessen waren die Zeiten, wo die Fürsten Glaubensbekenntnisse,Gebete und Lieder aufsetzten (Moser hätte sie ungedruckt lassen können)so übel nicht, wenn wir an Friedrich Wilhelm I. denken, dem derKammerdiener den Abendsegen vorlas, und unterthänigst glaubte beidem „der Herr segne dich und behüte dich," statt dich Sie lesen zumüssen: „Hundsfott, lies recht," rief der König, „vor dem liebenGott bin ich ein Hundsfott wie du!" Solche Morgen- und Abend-betrachtungen der Großen könnten viel Gutes haben, aufs wirklicheLeben werden aber jend Dinge doch so viel nicht gewirkt haben, weilsie von Gedankenlosigkeit begleitet und Sitte der Zeit und maschinen-mäßig waren; die Mongolen haben wirkliche Gebetsmaschinen, dievon Wasser, Luft oder Menschenhand bewegt, ein Gebet tausendmalwiederholen, und wir haben oder hatten dafür lebendige Maschinen.