Band 
[Siebenter Band. - Achter Band.]
Seite
213
JPEG-Download
 

213

mein A und O, du liegst auf Heu und Stroh," ist es nicht goldengegen das Brenz zugeschriebene Lied:

Mein Beten will kein Bißlein Patten,

Die Sünden beißen mich wie Ratten,

Auch hat der höll'sche BeclzebullGebambt in meine Herzschatull!

O Salems Jäger, hetze untenMich Snndensau mit Gnadenhunden,

Zeuch' mir dein Gnadenwammes an,

So bin ich köstlich angethan!

Aber Brenz ist unschuldig, wie mir Hang selbst eingestanden hat; esist seine Parodie auf geschmacklose Kirchenlieder, aber in einem altenDresdner oder Leipziger Gesangbuch habe ich selbst den Karrengaul-seufzer gelesen:

Spann aus, spann aus, o frommer Gott,

Spann mich aus diesem Karren!

Die meisten Lieder, wie gedankenlos abgeleierte Gebete sind Lip-pengeplärr, wie die Hora's der Mönche und Nonnen, ohne alle Theil-nahme des Herzens, oder wie das protestantische Tischgebet: „Komm,Herr Jesus, sei unser Gast, und segne, was du bescheeret hast," dasmich oft an die Beschneidungsceremonie der Juden erinnert, wo auchder Prophet Elias einen Stuhl erhält. Eine Wirthin liest schon seitfünfzig Jahren denselben Morgen- und Abendsegen für die Hausfrau,ohne ihn auswendig zu wissen, was, wo nicht Andacht, doch Oekono-miegeist verräth, der mit dem einmal Erkauften hauszuhalten versteht.Noch heute gehen einem gewissen Waisenhause milde Beiträge zu,unter der Bedingung, daß die Kinder dies oder jenes vorgeschriebeneLied absingen sollen. Ob wohl je einem dieser Beter und Beterinneneinfiel, zu fragen, warum man die Hände dabei falte? Meinem ehe-maligen Kostherrn schwerlich, denn er wußte mir den alten Fürstennicht besser zu loben als: „Wenn Sie es nur sehen könnten, wie erbeim Abendmahl die Hände so andächtig zusammendrückt, daß seineNagel blitzblau werden!" Eine alte Reichsgräfin sang nie das Morgen-lied : „Für deinen Thron tret' ich hiemit" anders als mit der Abände-rung, die keineswegs der Adelsstolz, sondern lediglich das Gefühlihrer höheren Würde, die doch zwischen ihr armen Sünderin und ihrerKammerjungfer einen Unterschied lassen müsse, ihr eingab:

Für deine» Thron tret' ich hiemit, ! Wend' dein gnädig AngesichtO Gott, und dich demüthig bitt: ^ Von deiner Excellenz doch nicht!