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Gott kennen und verehren ist Gottesdienst; so wird aus demalten Adam ein neuer Mensch, und aus dem Bunde zwischen Glaubenund Vernunft die neue Kirche und eine vom Kreuze des Kreuzesglücklich erlöste Menschheit. Verschiedenheit der Religionsmeinungenfindet sich nur bei Alltagsmcnschen; Leute von Geist haben nur eineReligion. „Und welche?" Ja, das sagen Leute, wenn sie Leute vonGeist sind, nicht gerne laut hin, es ist die Religion ohne Namen.Graf Veltheim zu Kaebke erwiderte dem Ortsprediger, der ihm sagenzu müssen glaubte: „Gnädiger Herr, ich habe Sie getauft, unterrichtet,confirmirt und copulirt, aber nie am Tische des Herrn gesehen; ichsterbe, was soll ich sagen, wenn mich der liebe Gott um Ihre Reli-gion befragt?" Mit Rührung erwiderte der edle Graf: „Guter Alter,sagen Sie nur, das würde er besser wissen, als wir Alle." So kannund mag der edle Gebildete gar wohl sprechen; aber der große Haufe?Man hat zu Ende des achtzehnten Jahrhunderts gefragt: „Ist es zufrühe, sich zur natürlichen Religion zu bekennen?" Für das Volk istes wohl auch zu Ende des neunzehnten Jahrhunderts zu frühe undstets zu frühe; eine gereinigte positive Religion, die reine, wohlver-standene Lehre Jesu und religiöse Formen werden immer besser sein;der große Haufe versteht den Zuruf Friedrichs nicht, der nur Gebil-dete angeht: „Sei Mensch, sei Bürger! Das Innere des Herzensund die Meinungen richte Der, zu welchem Moses, Zoroaster, Jesusund Mahomed rufen: Vater!"
XX.
Die Sitten.
Die Sitten sind die Ausübung der Tugend, oder ein lebendiger Sinnfür Pflichten, die den Gesetzen nicht unterworfen, sondern dem mora-lischen Gefühl überlassen sind; sie beziehen sich lediglich auf den han-delnden Menschen, nicht auf den denkenden, und machen ihn gut
t Gute Sitten haben mehr Werth als gute Gesetze.