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wieder Jahrhunderte dazu, um eine recht eingewurzelte Gewohnheitoder Meinung abzuändern, und daher hat man sie auch die Königinnender Welt genannt; sie lassen der Vernunft zwanzigmal den Kopf ab-schlagen, bis der einundzwanzigste aus der Asche emporsteigt und dieKönizin fortjagt: denn die Vernunft, ist sie nicht älter als alle Mei-nungen? Eine öffentliche Meinung haben wir im Grunde erst seitder Aevolnrion, vorher hatten wir bloß eine alte, gemeine, leise ge-sprochene Meinung; die Großen fangen an, erstere als eine mächtige,unsichtbare Gewalt neben sich zu erblicken, sprechen von einer bewegtenZeit und es ist ihnen und uns geholfen und gut, wenn sie nicht bloßdavon sprechen. Indessen ist das berühmte vox poputi, vox vei nichtso ganz richtig; denn es gibt auch eine falsche öffentliche Meinungund Volksverführer, daher oommunis oxiuio, ergo katsa, ' ebensorichtig ist. Von Sitten und Gebräuchen, wie von hundert andernDingen, gilt der komische Ausruf: „Es thät sich wohl, aber es thutsich nicht!"
Man sollte die Menschen nie nach ihren Meinungen, sondernnach dem beurtheilen, was die Meinungen aus ihnen machen. EinVater Schieferdecker pflegte sich durch ein Gebet zu stärken, ehe er einDach bestieg, sein Herr Sohn aber, ein Freidenker, nahm bloß einQuentchen gebranntes Katzenhirn. Die Schweizer von Granson fielennieder zum Gebet, als die Burgunder anrückten; diese lachten, meinend,sie flehten um Gnade, und wurden geschlagen; statt der Gebetbücherführten die stolzen Truppen Carls des Kühnen nur prächtige Kleiderund Waffen mit sich und nebenbei 300V Huren. Sitten und Gebräuchengeht es wie Kleidern, die nur den Zuschnitt ändern, aber immer Kleiderbleiben; nur die Umstände wechseln, wie der Mond der Osmanenim Wappen, der noch immer im Wachsen, obgleich längst in Abnahmeist. Mit mancher steht es wie mit dem Rheinwein von 1748 und1766, oder Cutlers seidenen Strümpfen, die er so lange mit Wolleflickte, bis ein gelehrter Streit entstand, ob die Strümpfe von Wolleoder von Seide seien. Von mancher Sitte hält es schwer, einenGrund anzugeben, wie von der lovis uotns maoula ? der linken Hand;die Natur gab ihr gleiche Rechte, sonst bekämen die Kinder nicht sooft auf die Finger, wenn sie der Natur folgen. Am Ende wird dieLinke durch Nichtübung unbeholfen, wie mancher kopfscheu bei zu vielOhrfeigen; daher Rivarol mit Recht von einem Unbeholfenen sagte:
'Die Stimme des Volles, Gottes Stimme! die Meinung ist allgemein, also falsch.- - Die kleine Nnehrenhaftigleit.