Band 
[Siebenter Band. - Achter Band.]
Seite
263
JPEG-Download
 

Jene Zeiten gefallen mir, wo der Landgraf Philipp von Hessenfür sein n Sohn hundert Thaler Kostgeld zahlte auf der Schule; ichzahlte einem Prediger achtzig Gulden auf dem Gymnasium (17ü2) fürKost und Logis, und es war besser als jetzt für dreihundert Gulden,studirte mit vierhundert Gulden, und jetzt brauchen die Herrchen eben-soviel auf dem Gymnasium. Mir gefallen die Zeiten, wo der Hof-jude dem Kurfürsten Joachim von Brandenburg seine Rechnung ein-reichte: „Für das Hurenkind Magdaleuchcn." Gustav Adolph undCarl XU- vor dem Heere beteten und sangen, und Elisabeth dem Ge-sandten Henri's IV. zum Beweise, daß sie den Heirathsantrag ausStaalsgründen ablehne und nicht aus Furcht, zu mißfallen, ihr weißesKnie zeigte, der Gesandte küßte es und entwaffnete ihren Unwillendurch die Worte: „Mein König hätte es auch gethan!" Dem HofeCarls von Burgund verdanken wir die verlorene Einfachheit der Höfeund dafür ihren kostbaren Glanz. Offenbar verbreitete sich der Luxusder Höfe auf den Mittelstand und die Beamteuwelt. Die einfachen,großen Männer meiner Zeit sind dahin, selbst im Mittelstand, wiemein unbedeutender Gros Vater, dessen Tischblatt eine große Schiefer-tafel war, worauf er rechnete und mich auch rechnen ließ, um Papierzu sparen.

Als der Großvater die Großmutter nahm,

Da wnß e mau uichiS von Mamsell und Madam,

Die züchtige Jungfrau, das häusliche Weib,

Sie waren echt deutsch an Seel' und Leib.

Als der Großvater die Großmutter nahm,

Da war ihr die Wirthschaft kein widriger Gram;

Sie las nicht Romane, sie ging an den Herd,

Und ihr Kind war mehr als ein Schooßhnnd ihr Werth.

Als der Großvater die Großmutter nahm,

Da rief auch der Vaterlandsfrcund nicht voll Gram:

O gäbe den Deutschen ein holdes GeschickDie glücklichen Großvaterzeilen zurück.

Der alte und der neue Mensch verhalten sich wie alte und neueHäuser: die alten waren schmal, ohne Prunk, hatten aber viele Tiefeund Bequemlichkeiten, man denke nur an die vielen Kämmerchen (Ab-tritte), an die Fensterchen in der Küche, an die Wärmstüb üen hintcrmOfen, an die Oeffnung in ein oberes Zimmer; die neuen haben einestattliche Faqade, wenig Tiefe, und die Bequemlichkeiten müssen derSchönheit weichen. Unsere Alten bauten so dicht und fest, daß wir