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Wenig hörte man sonst au kleinen Orten von unehelichen Geburten,öffentlichen Dirnen und Ehebruch, und die, die sich etwas zu Schuldenkommen ließen, wurden darum angesehen; man sprach wohl gar vomZuchthause oder floh sie; jetzt spricht man lachend von ihren Geschicht-chen; trotz der sogenannten Haussreundschaften gibt es Mädchen, diein der Dämmerung gehorsamst guten Abend wünschen, und vor kleinenDieben darf man sich auch hüten, denn in diesem Punkte sind wirSpartaner geworden. Die französische, englische und italienischeSprache, Musik, Zeichnen, Tanzen, Sticken rc. haben die alten Lek-tionen in der Religion und Kochkunst, im Nähen und Stricken ver-trieben; wo Theater und Casino und Lcsegcsellschaft ist, nimmt manAntheil, wie sich von selbst versteht, und die Fräuleins müssen wenigstensein Jahr in der Residenz zugebracht haben. Alle jene Künste bleibenzwar im Ehestand liegen, aber die Künstlerinnen werden darüber we-niger gute Weiber und Mütter als die Großmütter, die daher auchweniger sitzen blieben. Das IHx brillant' ist, leider, Geist der Zeit.
Sonst hatte man die Kinder stets vor Augen; jetzt hält man einKindermädchen, und die Kinder machen sich Visiten. Der alte Lsspeotusxarentslae, 2 der sonst so oft der Affenliebe oder Sorglosigkeit derEltern eine für die Acffchcn wohlthätige Diversion machte, ist hebräisch;Oncle und Tante kommen ihnen so komisch vor, als Juden mit Bärten;und sie sind ini Stande, ihnen den Esel zu bohren bei Erinnerungen,oder gar alte Haussinipel in ihnen zu sehen, die nian füttert, um siemit der Zeit ins Haus zu schlachten. Die Dienstboten lassen sie oftherunterlaufen so meisterhaft, daß sie von der Gesellschaft bewundertwerden, wie Jünglinge von Weibern, denen ein junger Tambour lieberist als ein alter General, und Mädchen von ihren Seladons. Quin-tilian schon sagte tadelnd: lllagna pusro äebetur rovai-entia, ^ deutsch:Jeden Frischling, der von Universitäten, Reisen oder Garnison kommt,und jedes Fräulein, das in einer Pensionsanstalt oder in der Haupt-stadt verzogen worden ist, sollen alte, graue, hinter dem Ofen daheimsitzende Leute, die nicht mehr wissen, was sie herbrnmmen, in Ehrenhalten und wissen, wen sie vor sich haben, die Hoffnung bessererZeiten!
Es gibt gar keine Kinder mehr! Eingeweiht in Alles, muß mansie für voll nehmen, und was unsere groben Alten Naseweisheit
i Falscher Glanz. — 2 Die Hochachtung der Kinder vor den Geschwistern der Eltern.— s Schon dem Knaben soll man eine große Achtung bezeugen. (Der Berf. hat jedochdie Stelle ganz mißverstanden.)