Band 
[Siebenter Band. - Achter Band.]
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l.

Die Gebräuche.

Ueber Gebräuche ließen sich Folianten schreiben, aber ich mußmich kürzer fassen. Unsere guten Alten liebten nichts mehr, als rechtsolide, in die Sinne fallende Gebräuche, und so wie sie den Früblingmit Fasching und Carueval feierten, und sich von dabei begangenenSünden am Aschermittwoch wieder mit Buße im Sack und in derAsche reinigten, so wie sie Johannisfeuer auflodern ließen und dieGeburt des Heilandes den Kindern durch Geschenke versinnlicbtenOstern durch Eier, Jubel- und Reformationsfest durch Bretzeln undJubeltrank, so gaben sie auch dem letzten einer Fam.lie Wappen undSiegelring zerbrochen mit ins Grab und riefen: „Heute Falkenhorstund nimmermehr!" Einem Weibe niedrigen Standes, dem man keineckoa °° geben wollte, und deren Kinder nicht erben sollten mit denKindern einer ebenbürtigen Ehe, gab man am Altare nur die linkeHand, und bei Grenzbesichtigungen den mitgenommenen Knaben Ohr-feigen, um noch in spätern Jahren Zeugen der Grenzen zu haben;daher auch mehrere Juristen das Wort Zeuge lieber vom Ziehender Ohren ableiteten, und so dem weiblichen Geschlechte den Weg zumZeugniß weniger verrammelten als die Römer, die tsstis vom Vor-handensein der tsstioulorum ableiteten, und die Weiber ausschlössen,die schon ohnehin andere Mängel genug haben. Gewiß recht solidund selbst rührend war der Gebrauch, daß die Nonne in dem Augen-blicke, wo sie das Gelübde ablegte, ihren Blumenkranz hinter sichwarf, denn die Blume ihres Lebens war nun auf immer verdorrt undhinter ihr. Recht solid und schön war, daß man die hochadeligenRäuber, die von den Bürgern gefangen wurden, höher aufknüpfte,als gemeine Räuber, mit Stiefeln und Sporen, und die Hände vorn,

* Die Zeiten iiiiderü sich und wir ändern uns mit ihnen. — ? Mitgijt; Wittwengabe,