Band 
[Siebenter Band. - Achter Band.]
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Der humane Mann achtet an Andern weniger Stand und Ansehen,«ls den Menschen, und ist, was Weltlinge blak scheinen. Er wirdnie seine abweichenden Meinungen zu einer Zeit vortragen, wo erAndere damit kränken und verlegen machen könnte; sein Tadel wirdin dem Fehlenden stets den Menschen schonen und dessen Schwächenignorireu, und selbst bei seinen Wohlthaten wird er nie Abhängigkeitfühlen lassen oder gar nach lautem Danke geizen. Sein lächelndesAuge ist der Vorbote seiner wohlthätigen Handlungen, wie die Blütendie Vorboten der Früchte, seine Höflichkeit ist Höflichkeit des Herzens,nicht der Manieren. Man kann Anstand und Weltton in hohemGrade besitzen und neben allem diesem hohe Lrutalitas oder kmmanit-is, ^worüber Pontauus ein herrliches Kapitel hat; ja es gibt Männer soganz nach der Welt, daß sie nichts mehr in der Welt sind. Wäre dasGold nicht so selten, dächte man schwerlich an Vergoldung, und dieseVergoldung ist unsere verstellte Humanität, die man auch die ästhetischenennen könnte; sie steht da, wie der Hühnerhund vor einem Rebhühner-lager, bescheiden und geduckt; noch demüthigen ducken sich die Vögel,aber beide möchten etwas Anderes thun. Man muß wohl unter ge-wissen Umständen aus Respekt thun und reden als ob man glaube;aber der ist ein Dummkopf, der auch aus Respekt wirklich glaubt.Jenes fordert der Anstand, den viele junge Herren in Gesellschaftälterer Personen gar nicht zu kennen scheinen, ob sie gleich nur zu gutwissen, was es heißt, auf dem Anstand sein.

Wenn Lichtenberg und Weikardt ihre Höcker zu verbergen suchten,oder Gibbon wegen seines Hodenbruchs und daher watschelnden unbe-hülslichcn Ganges wo möglich zum Sitzen eilte, und Dickhälse ewigan Halsbinde und Weite zupfen, so suchen wir noch weit mehr unseremoralischen Gebrechen mit den Hosen des Anstandcs zu decken undhaben uns in der That aus Löwen der Vorwelt in Eichhörnchen um-gewandelt und verfeinert, und man muß jetzt die Portion Salz, dieunsern Vorfahren genügte, ihren Mann kennen zu lernen, verdrei-fachen. Viele moralischen sogar wie gedruckt, und ihre Moral istweiter nichts, als ein gut zugerittenes Wiener Reitpferd, das Lanz-aderl macht. Wir spielen mit dem Anstand, aber er spielt ebenso oftmit uns: der Anstand z. B- fordert, daß man nicht zu laut sprecheund nicht stark accentuire; aber der Accent ist gerade die Seele einerRede von Wahrheit und Enrpfindnng, daher wird er gefürchtet; denneine Maxime des Welttoncs ist: „Jeder gibt zuerst guten Wein, wennr Plumpheit — Roliheit.