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-noch in neuerm Zeiten gewisse andere Höflichkeiten in einer kleinenReichsstadt mit einem Bade; ich ließ darüber einige gedruckte Wortesatten und als ich das nächste Jahr wieder kam, fanden mehrere fürgut. sich ganz auf das andere Extrem zu legen. Der Dank für dasGenossene überstieg leicht den Werth des Genossenen, wenn gleich dasGesinde sich weigerte, das Trinkgeld anzunehmen. „Hier ist etwasfür Nadeln," pflegte man höflich im Norden zn sagen, und eine höf-liche Magd erwiderte: „Ich danke, ich finde so viel auf der Erde alsich brauche;" in Schwaben aber sagt sie, die Hand hinhaltend: „Mai,was braucht's!" Man sprach einst nie von Füßen, Strümpfen,Schuhen rc. ohne sulva venia; der Arzt meines Vater-städtchens setztein seine Neujahlsrechmmg: „Für die s. v. Viehmagd soviel," und«ine Bäuerin sprach von ihrem studirten Herrn Sohn nie anders, als:
Mein Herr Sohn s- v." Aber schon Erasmus lehrt in seinen Ge-sprächen: In raota ersxitagas vsvtris salutsro, sivs enm, gut rsääitnrinam alrumgus exonorat, xlao guam urbani Iiominis.
Diese gutgemeinte Höflichkeit war wirklich oft recht lästig, ja ge-fährlich; sie wollte unterhalten, ohne zu bemerken, daß man lieberallein wäre, um sich's bequemer zu machen, ins Bett zu gehen odereiner angenehmern Gesellschaft zn genießen, waS mir früher in kleinenGasthäusern oft zur Last fiel. Manche ließen einen nicht fort bis indie finstere Nacht, versteckten Hut, Mantel und Stock oder machtenden Bedienten besoffen, oder nahmen gar ein Wagenrad hinweg. Wiemancher Besuch wurde nicht unangenehm dadurch, daß der wohlmei-nende Gastfreund alle Honoratiorcs des Ortes einlud, um auch dieseHerren kennen zu lernen, die man dann wieder besuchen mußte undso um geh alten wurde, wie der Winterschullehrer oder Dorshirte.Reichsstädter haben mich oft bedauert, daß ich nicht in ihren Mauernwohnen könne, und die Perser, die nie sagen: „Der ist todt," sondern:„Er hat Ihnen ein Geschenk mit den Jahren gemacht, die er nochhätte leben können," hätten von manchem Reichsstädter noch lernenkönnen. Man weiß, daß eine gewisse Reichsstadt beim DurchzngeKarls V. einigen Gehenkten weiße Hemden anlegen ließ, und eineandere bei der Durchreise Karls VI. rufen ließ: Vivat Varolus tzuin-tus der Sechste!" Eine Reichsstädterin condolirte beim Todesfall einesVetters: „sie bedaure sehr, daß der Herr Vetter so frühe in den Him-mel gemußt habe," und ein Rector wünschte seinem ehemaligen Schü-ler vor der Niederkunft der Frau: Vvlint saxsrt, at non mosoisr Es lebe Karl der Fünfte, der Sechste!