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feiner und wich allen Knoten aus: „Wohl gewesen? Verreist gewe-sen? Schlechte Wege gehabt? Bei Tafel bleiben!"
Im Mittelalter sagte der Kaiser selbst zu Fürsten Du, und siezu ihm Ihr. — Maria Theresia noch nannte Kaunitz so gut Er, wieihren Kammerdiener, und Friedrich als Kronprinz seinen Suhm, derihm so oft aus Geldnoth half; Joseph aber nannte Jeden Sie undseine geringern Diener Du, und die Possen verloren sich nach und nach.Wenn auch die Fürsten Sie sagten, ging denn darum ihre Majestät,Hoheit, Durchlaucht, Gnaden rc. verloren? Lieber zu viel als zu wenigim Punkte der Höflichkeit. Daher sagte ein Minister sogar zu denHunden Sie, zu Bedienten und Zofen aber Du, meinend, daß ihn sojene nicht beißen und diese nicht anschwärzen würden. Jene Zigeu-nerin, die ausgepeitscht wurde, wußte, was sie that, als sie dem Besen-führer sagte: „Haben Sie die Gewogenheit, mir's gnädig zu machen."Du und Ich stehen einander gegenüber, und so wäre es am natürlich-sten, wenn das Ich zu einem andern Ich Du sagte; aber das Feudal-wesen scheint auch diese Unnatur in die Sprache gebracht zu haben,und findet nicht gar Brandes das trauliche schöne Du zwischen Eltern,Kindern, Geschwistern und Freunden und Liebenden bedenklich? NurDichter lassen es sich nicht nehmen und dutzen Kaiser und König, wiedie liebenden Frommen selbst in Prosa das höchste Wesen. Holländervermeiden es ganz und sagen selbst zu Thieren (Ihr), und Hol-länder heißen grob? Unser Sie zählt noch keine volle fünfzig Jahre,ob es gleich ein gelehrter Hellenist schon in dem berühmten AusrufeCäsars: ^ finden wollte und auch übersetzte: „Und auch
Sie, Herr Sohn." Ein gewisser Fürst, der meist auf dem Lande lebtund die Gutmüthigkeit selbst ist, sagt gerne zu Leuten, die ihm ge-fallen und denen er gut ist, Du, und ich habe ihn aufmerksam gemacht,daß gewisse Herren solches übel nähmen, die seines Du gar nichtwerth seien.
Unsere Sprache ist reich, und hat noch einen, anderen gebildetenNationen ganz unbekannten, Schatz, unser Wohledel, Hochedel, Hoch-edelgeboren, Wohlgeboren, Hvchwohlgebvren, Hochgeboren rc.; ja derkleinste Graf will nicht einmal Hochgeboren, sondern Erlaucht sein,um sich dem Durchlaucht möglichst zu nähern. Der Krumme und Buck-lichte denkt nichts dabei, wenn er auf seinen Adressen die Satire Wohl-geboren liest, so wenig als der schmutzige Kränier, wenn er Wohledelfindet. Die Geistlichkeit niaßte sich Ehrwürden, Wvhlehrwürden, Hoch-> Auch Du, Sohn.