Band 
[Siebenter Band. - Achter Band.]
Seite
89
JPEG-Download
 

69

zur Zeit der Guillotine schwarze Haare, und Commodns bestreute garseine Perrücke mit Goldstaub; ja es gab marmorne Perrücken fürStatuen. Mit der Klerisei der Christenheit aber traf die Perrückenein hartes Loos, und warum? Paulus sagte den Koriuthern: „EinMann, der da betet und hat etwas auf dem Haupte, der schändet seinHaupt."

Unsere Perrücken sind eine Erfindung der Franzosen, und dieUrsache die schändliche Krankheit, die wir Franzosen nennen, welchedamals auf der Stelle kahl machte, jetzt nur nach und nach. HerzogJohann von Sachsen schrieb 15t8 einem Beamten zu Coburg: „daßer ihm in Nürnberg ein hübsch gemachtes Haar bestelle, doch ingeheim,daß man nicht merke, daß es uns solle;" und so halten es noch heut-zutage Manche mit Perrückchen, die ihnen zu frühe kommen. Mit demgroßen Louis, der auch wirklich groß war in Kleinigkeiten, wurdenPerrücken ganz Mode; er nahm sich seine Perrücke selbst ab und setztesie selbst wieder auf hinter den Bettvorhängen, so daß außer seinemBarbier Niemand je den kahlen Kopf des Monarchen gesehen hat.Man trug so ungeheure Perrücken, daß die Männer Löwen glichen,und eine schöne Staatsperrücke kam auf tausend Thaler. Ein PfundPuder erhöhte die Pracht eines Pfundes fremden Haares, das diemännliche Büste umhüllte, und wenn sich zwei solche Perrücken schüt-telte», so hüllten sie einen ganzen Saal in eine Nacht von Staub.

Die Kinder der Großen trugen schon Perrückchen, Grcnadieroffi-ziere hatten Perrücken unter ihren Bärenmützen, wie die französischeKavallerie noch im ersten schlesischen Kriege Haarbeutel. Vor demKriege sah man im Oesterrcichischen noch viele Hauptleute und Lieu-tenants mit Perrücken, worüber man jetzt lachen würde, da wir seltenGeneräle sehen mit dieser Zierde. An ihre Stelle traten die Zöpfesteifen Andenkens, lang und dick, ja sogar mit Hölzern, damit sie rechtanzögen. Die Wilden hielten diese Zöpfe für Natnrschwänze, undwunderten sich bloß darüber, daß sie nicht da säßen, wo andern Thie-ren der Schwanz sitzt; sie endeten mit einem Patentzövfchcn, befestigtam Rockkragen. Die meisten Perrücken waren von Meuschenhaaren,aber es gab auch von Wolle, Zwirn, Werg, Pferde- und Ziegenhaa-ren. Eine recht ökonomische Perrücke war von Draht, ihr Gegenstückeine von Glasseiden. Der Jurist Estor, wenn er seinen Zuhörernden Begriff des Eigenthums recht anschaulich machen wollte, nahmseine große Perrücke vom Kopfe: „Sehen Sie, hochzuvcrehrcnde Her-ren, diese Perrücke ist mein: ich kann sie verschenken, verkaufen, zer-