111
darbieten konnte; aber auch recht alte, häßliche, ahnenstolze, stets per-stflirende, stets plappernde, voll Schlauheit und Katzentücken lernte ichkennen; diesen wünschte ich Methusalems Jahre und dann Verwand-lung in Katzen, da diese nicht in den Himmel gehören.
Ein Franzose definirt die Antichambre un lisu, oü la ssrvituäess sonsols gar 1'insolsnos st s'äga^s psr la malignits, ' und trägtzu stark auf. Der Hof ist der Luxus des Staates, das Staatskleiddes Fürsten, und der Hofmarschall, wo nicht der Schneider, doch derBewahrn dieses Kleides; ihm ist es erlaubt, an einem Hoffeste sostolz darein zu sehen, als dem Heerführer, wenn er sein Heer geordnetdem Feind entgegenführt, oder einer rechten Hausfrau, wenn sie eingroßes Gastmahl dirigirt. Am Hofe des Löwen macht Casti den Affenzum Hofmarschall, den Pudel zum Oberkammerherrn, und es gab danoch eine eigene Hofcharge, die so ungewöhnlich war, als die öster-reichischen Erbchargen, Erbvorschneider, Erbspielgraf, Erb-falkenmeister u. s. w., oder gar die ekle Charge: Naltro äs Inxsräsrobs — ^ die Charge Hofkratzer, wozu man das Eichhörnchennahm. Beim Hofmarschallamt muß man sich zusammennehmen undnicht wie Jener so ganz den Kopf verlieren, daß er seinem Königebei dessen Tadel über einige vergessene Krönungsceremonien stotterndsagte: „Ach, Euer Majestät, nun, das nächste Mal soll's besser gehen."Folglich verdient ein Hofmarschall mehr Respekt, als er zu dieserZeit zu haben scheint, und man sollte wenigstens den Schülern ein-prägen, daß Mar nicht von Märe herrührt, sondern das alte celtischeWort (lateinisch masor) groß bedeutet, also wenigstens granä otüeisräs la eonr. b Ich sehe jetzt selbst ein, was ein Hofmarschall sogleicheinsah, wie schwer ich fehlte und an allem Lärmen selbst Schuld war,da ich einst, an einem herrlichen Wintertag, von einer herrschaftlichenTafel kommend, in voller Staatsuniform ein Dörflein unten am Bergerblickte, wo mein Schulfreund Pfarrer geworden: „Den muß ichüberraschen." Diese Idee und zum Thor hinaus, war eins, und siehe,nichts als Glatteis, aber auch mehrere Jungens mit Schlittchen. „Hierhast Du einen Zwölfer, Deinen Schlitten hol' Du unten beim Pfarrer,"und fort! Das war allzubrittisch.
Man könnte mehr über die Etikette lächeln, wenn sie nicht zueinem übermäßigen Hofstaat und Aufwand geführt hätte. Der ersteKönig Preußens zahlte mehr für seinen Hof, als für alle Departe-
i Das Vorzimmer, ein Ort, wo die Knechtschaft sich mit Hochmuth tröstet und mitBosheit unterhält. — * Garderobmeister. — 3 Großbeamter des Hofes.