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Kaiser längst Zur Hintcrthüre hinaus sich zu Fuß auf den Weg nachHof gemacht hatte. Peter, dem Etikette weit eher, als gebildetenDeutschen zu verzeihen gewesen wäre, überließ alles Staatsgeprängeseinem Mentschikow, und einige Dcntschicke waren seine ganze Bedie-nung, die ihm auch zum Kopfkissen dienen mußten. Peter war soeinfach als Friedrich und Joseph, denn alle drei waren keine Schwach-köpfc, sondern Männer.
Man sagt, der mächtige spanische Hofjcsnit Neidhardt habe seinGlück dadurch gemacht, daß er der deutschen Königin jeden Morgenvor der Messe ein Fläschchen Wein zusteckte, und der unter Louis XV.berühmte Marquis de Sonore, setzte sich einst im Zimmer der Pom-padour, wo sich Niemand außer dem Könige setzen durfte, müde aufdie Arme ihres Sessels und sprach so mit ihr; sie wollte vor Aergerbersten, und es wäre de Sonore übel gegangen, wenn man die Sachenicht als eine Art Hofnarreustreich betrachtet hätte. Er war es,der einst am Hofe, welcher höchst bestürzt war, weil das Volk stattViv« Is Hol! — llluiii! ?si'n! gerufen hatte, auf die Aeußerung einesHöflings, daß das Brod nun so und so viel kostete, seinen Hut, Hand-schuhe und Stock nahm und mit den Worten wegging: „ErlaubenEuer Majestät, daß ich auf der Stelle meinen niattrs ä'kütbl > durch-prügle, der mir das Brod weit höher anrechnet, als dieser Herr hierdafür bezahlt." Der Hof lachte, Louis lachte vielleicht auch, war aberviel zu schwach, darüber nachzudenken. O. wie ganz anders sähe esin der Geschichte aus, wenn mau öfters, statt auf Minister, Mai-tressen und Räthe, auf Hofnarren gemerkt hätte!
Etikette war die hohe beglückende Wissenschaft der Hofmar-schälle und alter Damen, die natürlich nie etwas von Scueca's Llsgnassrvitns inagna tortuna, ^ gehört hatten, und Denken ist ohnehinnicht Etikette. Die berüchtigte Orsini, ° von Madrid entfernt, vonFrankreich und Holland nicht gut aufgenommen, ging nach Rom,,machte die Honneurs am Hofe des Prätendenten ^ und war so glück-lich; wie unglücklich waren dagegen an unsern vielen Höfen vielejunge, schöne, sanfte, gebildete Fräuleins, die arm und zu gut fürHöfe waren; es gab selbst da Hofdamen, wo man keinen Hofcavalierernähren konnte; mancher habe ich einen wackern Erlöser gewünscht,wäre er auch nur aus Bürgerblut abgestammt, da ich mich nicht selbst
i Haushofmeister. — 2 Ane hohe Stellung ist eine große Sklaverei. — 3 Die Prin-zessin Orsini, welche Spanien unter Philipp V. lange Zeit unumschränkt regierte, bis siedurch Alberoni und die zweite Gemahlin verdrängt uns verbannt wurde. — ^ Der Prä-tendent war der sogenannte Jakob III-, der verbannte Stuart.