ner, für die Volksrath gewiß schicklicher wäre als Hofrath; die An-dern mögen so heißen. Noch in neuester Zeit behielt sich ein kleinesFürstenhaus in seinem Staatsvertrag mit der Krone das Recht vor,Hofräthe machen za dürfen. Wir sind also noch weit entfernt, einesder lächerlichsten Nationalvorurtheile abzulegen. Ist es nicht ein dop-pelter Widerspruch ? Der Hof, dem Hof und Unterthanen abgenom-men sind, bewilligt den Titel, und Supplikanten suchen ihn, die jakeinen Hof mehr zu berathen haben, und im Auge des Ausländersnie eigentlich einen Hof haben konnten. Sollten etwa auch hier Wei-ber dahinter stecken, und wäre das würdige Wort Rath nicht genug?Begnügen sich nicht die vorigen Landesherrn mit Standesherrn undPairs? Nichts hörten die Damen von Venedig und Genua lieber,als wenn man sie Königinnen von Dalmatien und Corsika nannte,wo sie längst nichts mehr zu sagen hatten, und Damen waren Schuld,daß man sich diesen Titel vorbehielt, als Corsika an Frankreich abge-treten wurde.
Wir haben den Franzosen viel Lächerliches nachgemacht, aber ge-rade nicht eine ihrer vernünftigsten Sitten, daß sich die Frau nichtnach dem Amtstitel des Mannes nennt, was sie ja nichts angehtsondern nach dessen Familiennamen, und bloß darum schon kann manihr ewiges Monsieur und Madame übersehen, das selbst Condö zu-wider war, der seinem Stallmeister sagte: Nr. I'Lon/sr, alle? dirsZ. Nr. noon codier, gn'll nrotts Nss. inss cbsvanx a Naäoius tu voi-tnrs. r Wie toll klingen: Frau Generalin, Frau Kriegsräthin, FrauEinnehmerin, Stadtwachtmeisterin, Postmeisterin, Hoftrompeterin,Kammerhusarin, Landreiterin, Hofknopfmacherin, Frau reitende För-sterin, Frau Einfahrerin (bei Bergwerken), Frau Kammerherrin, Be-reiterin, Leibbüchsenspannerin! Wie kommt es, daß die Eitelkeit nochkein weibliches Genie auf die Idee selbstständiger Titel führte, dienicht, wie die Rippe, vom Manne genommen wären? Liebesräthin,Eheräthin, Kinderräthin, Manuräthin, Küche-, Keller-, Weißzcug-räthin, Geldräthin. Nothräthin rc.? Mit dem unrechten Titel kannman Vieles verderben, aber auch wieder durch gnädiges Fräulein odergnädige Frau und einen Handkuß gut machen, vorzüglich da, wo daslieber Mann! liebe Frau! viel zu altvaterisch klingt und mein Lieber!meine Liebe! vollkommen das Non drsr und Na oüörs ausdrückt.Ein schrecklicher Bock gegen bon ton wäre Frau oder gar Weib —
r Herr Stallmeister, sagen Sie meinem Herrn Kutscher, er möge meine HerrenPferde an meine Frau Kutsche spannen.