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[Siebenter Band. - Achter Band.]
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Nuntius titulls titillatur, und es ist nur zu verwundern, daßDr. Gall in deutschen Schädeln kein Titelorgan entdeckte, das sichvielleicht nur deutsch bescheiden kleiner macht als es ist; aber da wirgeborene Titelnarren, hoffentlich bloße Titularnarren, sind, so kannsolches nicht unbedeutend sein, sonst halte ich nichts auf alle seineOrgane. Nach neueren Entdeckungen soll es hinter den Ohren sitzenund desto merklicher sein, je weiter und höher die Ohren abstehen.Es sollte mich wundern, wenn unter dem Heere von Räthen, mitderen Titeln ich mir zwei Seiten zu füllen getraute, nicht einer aufnähere Entdeckungen kommen sollte; der verdiente dann gewiß denneuen Titel: Organerath. Moses zählte schon vierundachtzig ver-schiedene Räthe, unter allen aber keinen einzigen Volksrath, was dieLandräthe und Stadträthe sein sollten. Von A—Z ist kein unbe-rathcner, vielmehr schockweise berathener Buchstabe, nur in U willmir kein anderer einfallen als Unrath. Bei der ungeheuren Zahlder Räthe fehlte meist der wichtigste Rath — der Borrath. UnsereAhnen gefielen sich in den Tanfnamen Volrad, Konrad (vollerRath, kühner Rath), man hört sie wenig mehr; da aber der TitelRath einmal deutsche Ohren vorzugsweise kitzelt, so fehlt es nicht anRathsnarren, selbst solchen, die den leeren Titel kauften, und siekommen mir vor wie die Calcutten, die sich Wunderdinge einbilden,wenn sie im Hühnerhof herunistrotzen und ein Rad schlagen.

Bei unserer alten Viclherrschaft konnte es nicht anders kommen.Nirgendswo hört man die Redensart: „Land und Leute regieren,"häufiger, als in unsern spannenlangen Monarchien. Titel waren ofteine wahre Finanzguelle für die kleinen verschuldeten Souveräns undgalten für Besoldungszulagen bei ihren Dienern. In unsern heiligenBüchern ist Gott selbst nicht ohne Rath, und ging es nach der Zahlder Räthe, so hätte es kein besser berathenes Land geben müssen alsDeutschland; aber es gab Ländchen, wo man sich vor lauter Räthengar nicht mehr zu rathen wußte; guter Rath ist theuer; wem nicht zurathen ist, dem ist nicht zu helfen, und der beste Rath ist immer nochkeine Hülfe. Ein recht geistvoller, gemüthlicher Rath muß der Bür-germeister in Kohebue's Kleinstädtern gewesen sein; in seinem Raths-dekrct stand: „Aus bewegenden Ursachen," Thränen flössen ihm dieWangen herab, so bewegt war er: „Das Herz des Königs bewegt!"

Das Wohlgefallen der Weiber am Wort Räthin, dem Viele sichund ihr Kapitälchen opferten, erscheint mir noch verzeihlicher, als dasWohlgefallen deutscher Gelehrter, nämlich freisinniger, denkender Man-