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Schon Homer legt die Thorheiten seiner Zeit den Göttern in denMund; die Menschen lachten über die Götter, und so kam Homergut weg; Aesop setzte die Thiere dafür und kam schon schlechter weg,denn man merkte, daß Menschen gemeint seien, da Thiere ja nichtsprechen; ist es ein Wunder, wenn der am allerschlimmsten wegkommt,der soabisin soabtora ' nennt ?
Die Horaze und Rabelais lachten bloß über Fehler, die wenigerden Charakter und die Sittlichkeit angehen als den Anstand, und dasolche Fehler versteckter liegen, geheiligt durch Observanz und alteVorurtheile, so ist mehr Scharfsinn, Witz und Laune erforderlich alsbeim Ernst, der die gröberen Gebrechen anpackt. Im Weltleben lie-ben wir den Horaz und die Franzosen, in der Einsamkeit mehr denJuvenal und die Britten, und Manche ziehen gar Bunyams Pilgrim-reise nach der Ewigkeit den irdischen Ritterfahrten des Don Quixotevor. Der Unterschied zwischen Thorheit und Laster beruht oft mehrauf dem Standpunkte, von dem wir ausgehen, als auf der Sacheselbst; die Mehrzahl schwebt in der Mitte, und glücklicherweise sinddie Extreme nur selten, Domitiane so selten als die Titus. Derernste und der lachende Satir verhalten sich wie Tragiker und Ko-miker; de la Casa schätzt ein Mittel gegen Mückenstiche höher, alseines gegen Löwen-, Tiger- und Schlangenbisse. Jammerschade, daßdie Geißel des Satyrs so selten bessert als die Klostergeißel, aberwelche Wunden schlugen nicht Pascals lettrss provlnoisles" dem ab-scheulichsten aller Mönchsorden ? ^
Spott ist an seinem Orte, wo die Thorheiten keine andere Schamkennen, als die, lächerlich zu werden; wer große Städte und diehöheren Stände beobachtete, wird mich verstehen. Ein armer Zei-tungsschreiber zu Amsterdam brachte den großen Louis um seinenSchlaf, wie die Satiren zur Reformationszeit Päpste, Pfaffen undMönche; Hudibras bekehrte mehr religiöse Schwärmer als alle Po-stillen der Welt, und satirische Flugblätter wirkten in Oesterreich soviel als Joseph. Aretino sagte: „meine Satiren sind nützlicher alsPredigten, diese leiten höchstens die liebe Einfalt, jene die Großen."Dies verstehen die Franzosen am besten, und ihre Satire gleicht ihremSalate, der dreimal mehr Oel und dreimal weniger Essig hat alsder deutsche Salat. Schröpsköpfe ziehen, wo sie gut angebracht wer-den, wie schon Horaz wußte:
* Krätze, Krätze. — 2 Briefe auS der Provinz. — 2 Den Jesuiten.