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XVI.
Die «satire der Neuern.
Italiener, Spanier, Iranzosen.
Wir haben nun ein besseres Feld vor uns; die menschliche Ver-nunft erwachte im 14ten Jahrhundert zuerst wieder in Italien; Grie-chen und Römer standen wieder auf, man schrieb aber in der Mutter-sprache, und die ersten Aeußerungen der freieren Vernunft warenkühner Tadel des Papst- und Pfaffeminwcscns. Dante, der Shak-speare der Italiener, der Ernst und Scherz mischt, und an dem selbstdie Tasso, Metastasio und Milton ihre Feuer anzündeten, nahm keinenAnstand, als verbannter Ghibelline Papste in die Hölle zu setzen,während er im Paradiese bloß scholastische Theologie auskramt: erstößt auf Papst Nikolaus III-, der kopfunterwärts im Höllenloch steckt,ihn für seinen noch lebenden Nachfolger Bonifaz VIII. hält und fragt:8s' tu eosti ritto Louituvio? ' Dante nannte sein berühmtes Werkvomeäia, weil es nicht in dem erhabenen Stil der Tragödie geschrie-ben ist; seine Bewunderer setzten äivina * hinzu, und das war schondamals zuviel.
Der sanftere Petrarca sprach dennoch von Rom wie von einemzweiten Babel, und Boccaccio's Novellen, wo ausschweifende Möncheund Nonnen die Hauptrollen spielen, und es an Seitenblicken aufFegefeuer und Ohrcnbeichte, auf Heilige und Reliquien auch nichtfehlt, vollendeten das Ganze. Der Satyr war nun auf den Beinen,und jenes heilige Kleeblatt öffnete selbst dem Pöbel die Augen; diehöhere Welt hatte längst gelacht und die Klerisei verachtet, im hohenGefühle ihres Wohlstandes, aber auf italienische, d. h. burleske Weisein groben Lokal- und Personalsatiren, von Lorenzo Medici, dem Mä-cen der Gelehrten, an bis herab zum liederlichen Aretino und Bu-chiello's Barbierstube. Baretti meint, daß es bei der natürlichen Spott-sucht seiner Nation ein wahres Glück sei, daß keine Preßfreiheit inItalien herrsche; es kann sein, aber es fehlt darum nicht an Satiren,die mit Preßfreiheit vielleicht besser wären; dem Auslande können sienicht gefallen, der Geschmack ist dort feiner; aber in Italien fandselbst noch Don Ciccio großen Beifall mit 300 Sonetti, nnd jedes
* Auch Du stehst aufrecht hier, o Bonifaz! — 2 Göttliche.