Band 
[Siebenter Band. - Achter Band.]
Seite
215
JPEG-Download
 

215

Es galt eigentlich Shaftesbury's moralischem Sinn, woran der Glaubedes guten Grafen immer besser ist, als der Nichtglaube des witzigenArztes; jener dachte zn gut vom Menschen, dieser zu schlecht, ob ergleich leider mehr Recht auf seiner Seite hat. Mandeville schriebschon 1723; seine Ironie wurde mißverstanden, wie die Ironie desSokrates, und als Freigeisterei verschrieen, aber sie verdiente nochheute eine abgekürzte Verdeutschung. Das Original erschien zuerstals Gedicht Iks gruiadling kivs (der murmelnde Bienenkorb), underst später mit seinem Commentar — ein echt brittisch freies Produkt.Mit Recht sagte er: „Wenn ich behaupte, Londons Straßenunreinlich-keit sei ein Vortheil, da sie von der Lebhaftigkeit des Handels und derGewerbe herrühre, tadle ich darum die Reinhaltung der Straßen undDiejenigen, die sich damit befassen?" Und liegt nicht etwas Wahresin seiner Behauptung, daß Luxus und Laster der Einzelnen zum Vor-theil des Ganzen gereichten, und selbst Verbrechen, weil sie zu einerbessern Gesetzgebung aufforderten?

Lachend, ganz lachend sind Stevens Uootnrss ngon bsaäs ' odersatirisch-komische Vorlesungen über alle Stände, voll Witz, Laune undMenschenkenntniß, die zu London 1788 viel Glück machten; denn sievereinen malerische, dramatische und erzählende Satire. Stevens be-diente sich dabei fünfzig Büsten von Pappe und eben so vieler Per-rücken, wobei er die Sprache, den Ton und die Gebcrden der ver-schiedenen Stände nachäffte, während er die Köpfe mit sich selbst, unter-einander und mit ihm sprechen ließ. Seine ergötzende Mimik beschloßer gewöhnlich mit einer Satire auf sich selbst, und diese Vorlesungensind gedruckt zu haben (London 1812 mit siebenundvierzig Holzschnitten),aber wo bleibt viva vox? und die Mimik Stephens, die Büsten unddie Perrücken und der laut auflachende frohe Käufer?

Peter Pindar oder Johann Woolcot ist der neueste und witzigstebrittische Satiriker, den ich kenne, der ungeheuern Lärm machte, denich aber doch Swift nachsetzen muß. Er ging als Feldarzt nach Ja-maika, machte aber daselbst den Geistlichen, so zügellos auch seineSitten und so sreigeisterisch auch seine Gesinnungen waren, trieb sichmit einem Küster auf der Jagd herum und predigte da nur denSchwarzen. Er wollte nicht recht an diesen neuen Beruf; aber seinGönner, der Gouverneur, sagte ihm: „Du brauchst gerade nicht zuglauben, was du predigst, und was du glaubst, brauchst du nicht zupredigen; du kannst vom innern Beruf sprechen; mit der Seele steht> Vorlesungen über Köpft. — r Das lebendige Wort.