Thees, der bei ihm getrunken wird, noch langweiliger als Gellertsschwedische Gräfin, so ist doch sein Lovelace, ein Rouö in höchster Po-tenz, und seine Clarissa mit der Kraft des Genies gezeichnet. Derganze Roman von acht Bänden läßt sich in einer Zeile sagen; einLüstling von System sucht eine Unschuld zu verführen, die Charakterhat; gehört nicht Phantasie dazu, diese Idee durch acht Bände zuführen?
Nun erschien Fielding — Fielding, der Triumph des brittischenRomans und aller Romane. Wo steckt der deutsche Fielding? Erschrieb komische Familiengeschichten, Richardson ganz ernste; Fieldinghielt das Ideale im Menschen für Unnatur und die Tugeudpedantereieines Richardsons für lächerlich, so sehr er auch Herzensgüte zu schätzenwußte. Die Zartheit und Sittlichkeit, die bei seinem Vorgänger denMangel aller Poesie vertreten mußte, wäre ihm zu Zeiten zu wünschen,dafür aber sah er das Leben mit ungleich freierem Blicke an; seineRomane sind noch heute die ersten Romane Englands, während Richard-sons Pedanterei und Umständlichkeit die seinigen auch-noch um denWerth gebracht haben, den sie wirklich haben, ohne so weit zu gehen,als Diderot in seiner Eloge des Dichters. Richardsons Helden sindEngel und seine Schächer sind Teufel; wie kann der Mensch mit ihnensympathisiren?
Fielding war der Sohn eines Generals, geboren 1707 zu Sharp-Ham-Park bei Glastonbury. Seinem Hauslehrer setzte er ein ebennicht dankbares Denkmal im Andrews unter dem Bilde des Land-pfarrers Trulliber; dann kam er nach Eton, und von da nach Lcyden,um die Rechte zu studiren; aber es fehlte an Unterstützung, und zuLondon wurde er gar liederlich. Er schrieb hier achtzehn Theaterstückeohne besondern Werth, jedoch nicht ohne vis vomioa, und hätte erstdann anfangen sollen, für die Bühne zu arbeiten, als er aufhörte.Er fand eine Frau, mit der er aufs Land zog und wie ein reicherEdelmann lebte. Nachdem er Alles verpraßt hatte, kehrte er wiedernach London zurück, versuchte es als Rechtsgelehrter, nahm Antheilan Journalen und begann selbst unter Gichtschmerzcn seine Romane.Er übernahm eine Friedensrichterstelle, aber seine Gesundheit verfielimmer mehr; der Arzt rieth zu einer Seereise nach Lissabon, wo erschon nach zwei Monaten an der Wassersucht starb (1754) und aufdem Gottesacker der Protestanten ruht. Wir haben sein Tagebuchvon dieser Reise, sein letztes, aber auch schlechtestes Werk, und nochheute sieht der Reisende zu Lissabon, wo doch Britten herrschen, sich