144
meiner Bekanntschaft — ei, wie eitel! — Geduld, er freute sich meinergenauen Bekanntschaft mit allen seinen Schriften.
In Nicolai's Fußstapfen trat Schummel mit seinem Spitzbart,eine nicht üble Satire auf Modecrzichung ; sodann Musäus mit seinennoch weit trefflichern physiognomischen Reisen, dem herrlichsten Gegen-gift gegen die Lächerlichkeiten Lavaters und seiner Jünger, ihre Sil-bouettenwuth und deren gelehrte Deutung. Wir haben schon oben desguten Mannes satirischer Parodie, Grandison II- gedacht, und auchFreund Hains Erscheinungen in Holbeins Manier mögen noch hiebengerechnet werden, wie des Ungenannten Fragment der Geschichte undMeinungen eines. Menschensohues, das gegen die Pbilanthropine ge-richtet ist, nebst Klingens Plimplamplasko, der die Schwindel-, Genie-und Krastmänner in den Jahren 1780 bis 1790 gehörig vornimmt.Mit zu unseren besten satirischen Romanen gehören noch Georg Wal-lers Leben und Sitten, der seine gerade nicht schlechten biographischenNamensvettern Anton Reiser (Moritz) und Karl Pilger (Spazier)übertrifft, und ihre Gasconaden und Bockssprünge persiflirt. Wallerist Brettschneider, der im bürgerlichen Leben ein Proteus von allenFarben war, aber ein Heller Kopf, echter Deutscher und Freund derWahrheit. Weit geringeren Gehalts ist sein Junker Ferdinand vonThon, aber herrlich sein Almanach der Heiligen 1788. Noch geringernGehalts, obgleich viel gelesen, sind: Fanstin oder das philosophischeJahrhundert, Hans Kiecks Reisen in alle vier Welttheile, Reisen einesHottentotten, Tagebuch eines unsichtbaren Reisenden rc.; sie wollenwenig sagen, aber sie sind in allen Lesekabinetten.
Sollen wir des zu Jtzehoe privatisirenden Müllers Romane fürkomische Romane gelten lassen, weil es auf dem Titel steht? SeinenRing, die Papiere des braunen Mannes, d. i. Thomas, Waldheirnund ^merich, seinen Selim der Glückliche und Friedrich Brack. Ichkann nur für Siegfried von Lindenberg stimmen, der alle aufwiegt.Es ist schade, daß Müller seinen Siegfried im Norden schrieb undnicht im deutschen Süden, wo damals noch die Siegfriede beisammensaßen, wie Sperlinge im Rohr. Komische Romane sollten auch sein:die Schicksale des Martin Dickius, welche Bahrdts Leben und Thatendes Pastor Rindvigius gleichen, und Hillebrand, oder wie gelangt manzu einer Pfarre? Von dem ganz alltäglichen Roman Ludwig Wage-hals heißt es in Posselts Annalen 1795. St. 8.: „Wir haben vondiesem Werke aus Entzückung beinahe epileptische Anfälle bekommen,uns fast außer Athem gelacht und dann wieder Thränenbäche ver-