149
als gelehrte Werke; Schmierer und Verleger lachen wie der Schacher-jude zur Noth des Armen. Unsere Romane gleichen noch lange nichtder Tausend und Einen Nacht, deren ewig leiernder Anfang ist: „Wenndu nicht schläfst, liebe Schwester, so' erzähle uns eines von den schönenMährchen, die du weißt;" einige Spaßvogel pochten nun den unschul-digen französischen UeberseHer Galland Nachts aus dem Schlafe undaus Fenster: „Wenn Sie nicht schlafen, lieber Galland, so erzählenSie uns eines von den schönen Mährchen, die Sie wissen!" und fortliefen sie. Dieser Spaß wäre viel, viel zu gnädig für unsere scham-losen Schmierer und Verleger, und viel zn viel Ehre, sie zu nennen;aber etwas Komisches gewähren sie doch, wenn man die Bücherverzeich-nisse recht gangbarer Lesekabinette durchblättert und die Herren Ver-leger, die sich nicht nur für Gelehrte halten, sondern sich noch überden Gelehrten zn stellen belieben, einen Roman trefflich nennen hört,wenn er gut abgeht.
Die Makulatur von heute rühmt die Makulatur von gestern inJournalen: Pfefferdütenkredit gründet sich auf Pfefferdütenlob, unddie Jubilatemesse von 1803 lieferte zweihundert und sechsundsiebenzigRomane, die Michaelismesse von 1817 nur vierundvierzig. Wird dasPublikum gescheiter, oder sind die Schmierer in den Schlachten ge-fallen? 1-svis sit tei-ra! 1 Sie gleichen indessen meistens den unschul-digen Kindlein, unter die kein Herodes zn fahren braucht, und ich er-innere mich, nnwitzige und freche Pasquille unter den sogenanntenkomischen Romanen betroffen zu haben, wie z. B. der zwciundvierzig-jährige Affe, worunter der edle große Joseph gemeint war, oderSoul 11-, der dicke König von Kanonenland, der leicht zu errathenwar. Keine Personalitäten, aber nützliche treue Gemälde! Wie wohl-thätig müßte ein recht bittersatirischer Roman wirken: das constitutio-nelle Zeitalter, ein Repräsentantenclub an der Table d'Höte oder zuHause unter ihren Wählern und in ihrer Suada, während sie imStändehaus nichts als: Ja! und nein! von sich zn geben wußten?Wie hochkomisch eine Kaffee- oder Theegesellschaft von Somnambulen?Wir sind so reich an sehr folgereichen Lächerlichkeiten, daß vielleichtgerade dieser Reichthum uns arm macht und das komische Genie zu-rückschreckt, das lieber und auch klüger — allein lacht, tntto solo!
i Leicht sei ihnen die Erde!