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[Neunter Band. - Zehnter Band.]
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leider. Ich habe mehr als einmal recht guten und anständigen Witz,der im Ausland beklatscht worden wäre, Unverschämtheit nennen hören,in Krähwinkel kann man dafür sogar mit Grobheiten bezahlt werden:wir fürchten uns vor dem Witz in aller Unterthänigkeit. In Eng-land, Frankreich und Italien gibt es Männer genug, die nicht darandenken, sich unter die Gelehrten zu zählen, aber den Wissenschaften imStillen huldigen und daher auch dem guten Schriftsteller huldigenund ihn achten — ignoti nulla enxläo; * aber auf wie viele reinmechanische Geschäftsmenschen bin ich nicht im Vaterlande gestoßen,die Witz und Laune unter ihrer Würde hielten, hoch von ihrem Direk-torialthron herabblickten auf den bloßen Gelehrten zu ihren Füßen,und hatten sie etwa ein Stückchen Seidenband im Knopfloche, so warenoffenbar die Gehirnnerven in Fesseln.

Die Blüte deutscher Literatur scheint vorüber zu sein, und wosind die Früchte? Ich wüßte keinen komischen Roman, den wir kühndem Ausland gegenüberstellen dürften; aber wer schreibt unsere Ro-mane? In der Regel die liebe Jugend: Studenten, Magistri, Hofmei-ster und arme privatisirende Gelehrte in Brodnoth. Ist es ein Wun-der, wenn unsere Romane, wie unsere Lustspiele, nur Knorpel sind?Blut, Leben, Feuer und Farbe hat die Jugend, aber Kraft und Nerv,Mark und Knochen, Erfahrung, Welt und Menschenkenntniß hat nurder Mann, und das größte komische Genie zeigt sich in Jugendwerkennur hohl und leer, wie schon Plutarch von Menander bemerkte, dessenspätere Produkte er lobt. „Was würde er geleistet haben, hätte erlänger gelebt," setzte er hinzu, und Menander hat doch zweiundfnnfzigJahre gelebt. Wir verstehen schon, im zwanzigsten zu schreiben aufUniversitäten; aber Cervantes und Fielding schrieben ihre Meister-werke erst als Männer.

Ein noch größeres Hinderniß ist, daß unsere meisten Romanenicht der Kopf, sondern nur die Hand oder eigentlich der Magenschreibt. Der Kopf würde nebenher an Ehre und Nachwelt denkenund nur schreiben, wenn ihn der Geist treibt; aber der Magen hatan materiellere Dinge zu denken, und wenn man hungert und dürstet,so geht das Denken schlecht und das Lachen noch schlechter. Manmalt die Gcnii als Flügelköpfe und mit Recht; aber gebt ihnen stattHirn einen Magen und nichts dazu, so sinken die Flügel. Manschreibt; der Verleger zahlt ein Lumpengeld; das Lesepublikum, denktuicht und liest, die Zeit zu vertreiben; Romane rentiren weit besser,

' Was man nicht kennt, begehrt man nicht.