Band 
[Neunter Band. - Zehnter Band.]
Seite
161
JPEG-Download
 

161

die Bewohner Eutins hören es weit lieber, wenn man den Namenihres niedlichen Städtchens von eüöivi«, * und nicht von dem platt-deutschen ut nn in (so klein, daß man mit wenigen Schritten aus-und eingehen kann) ableitet, wie man in Mecklenburg leicht an-nehmen kann, daß die Schriftsteller des Mittelalters unter *

Mecklenburg und keineswegs Constantinopel verstanden haben.Ich rathe jedem zu Donaueschingen den Schritt über die Donau zumachen, wobei man durchaus nichts wagt, und sich mit dem Glaubenempfiehlt, wie mit jedem andern Glauben, den man mit Andern theilt,und in Westphalen über die schöngeschencrten Zinnteller und Schüsseln,die sich traulich an die Nachttöpfe anschließen, nicht zu spotten; beidesind nur zum Staate. Jener Oesterreicher empfahl sich wenig, dersich mit beiden Füßen auf die Donauquelle stürzte und ausrief: „DieWiener werden sich wundern, wenn ihre Donau ausbleibt."

Es gilt von allen Nationen, was Voltaire von der brittischensagt: „Oben Schaum, unten Kaffee, in der Mitte das Beste!" AlleNationen halten ihre Nation und ihr Land für das beste, wie Jederseine Küste, nur nicht die Deutschen. Im Großen gleichen sich alleEuropäer, und da sich die Stärke des Patriotismus nach der Größeder Volkseigenthümlichkciten richten soll, so tritt in dem heutigenEuropa nn die Stelle desselben das hohe:

11)1 xatrlL) ulü bene! ^

oder die Nationalfarbe und NaLionalkokarde.

Die Nationalfarbe der Britten ist scharlachroth, die portu-giesische braun, die spanische blutroth. Die berühmte stolzeTricolorfarbe der Franzosen ist zur bescheidenen einfachenweißen zurückgekehrt, und ob die Italiener noch die grüne, dieFarbe der Hoffnung tragen, weiß ich nicht. Die russische National-farbe aber ist weiß, gelb und schwarz, die polnische blau undkarmoisin, die schwedische blau und gelb, die dänische rothund weiß, die niederländische orange, und wir Deutsche, die be-scheidenste aller Nationen, unsere Nationalfarbe war, als wir nocheinen Kaiser hatten, schwarz mit Gold, was noch die österreichischenFarben sind. Preußen hat schwarz mit Silber genommen, Baiernweiß und blau, Sachsen weiß und grün, Württemberg roth

* Wohlfahrt. — r Großstadt,

b Dort ist das Vaterland, wo es gut ist.

Demokritos. IX.

11