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[Neunter Band. - Zehnter Band.]
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Arme wie der Reichs sich mit Brod (das oft Kastanienbrod ist), Käse,Zwiebeln und Obst, selten mit Fleisch, ernährt, und Alles sich inselbstgefertigteS, braunes Tuch kleidet, daß man lauter Kapuziner zusehen glaubt; Bonaparte war die Ehre Corsika's, Napoleon seineSchande.

DaS finsterste und schmutzigste Land Italiens ist wohl Sardinien-Hier sind noch viele Reliquien der Carthager, mehr als zu Carthagoselbst, die auf einen unterrichteten Reisenden warten, der weise aus-bleiben wird, bis Sardinien Straßen haben wird. Es bleibt in der Thatsonderbar, daß diese große Insel von etwa fünfmalhnndcrttanscndSeelen noch unbekannter ist als Otahciti und Owcihi, selbst jetzt noch,wo der Hof mehrere Jahre daselbst leben mußte. Sardinien bewahrtgroße Schätze in den Eingeweiden der Erde, welche die Carthagersehr gut gekannt zu haben schienen, ist aber dennoch das ärmste LandItaliens, weil es das faulste ist. Malta verdient als die volkreichsteInsel von Europa genannt zn werden, denn hier wohnen hundert-tausend Menschen auf sechs Quadratmcilen, deren Sprache punisch-arabisch ist, und deren Land mehr der Kunst als der Natur verdanktund eine große brittische Festung ist, wie Gibraltar. Sie holen dieErde, um ihre Felsen zn decken, aus Sicilien, und haben Mangel anLand, während die meisten Länder Mangel an Menschen haben.

Es lebe Rom, Neapel und Florenz! Rom für Kunst, Neapel fürdie schöne Natur, Florenz für den geselligen Menschen. In Romlebt nian unter Künstlern wie unter Studenten, man scherzt im Ge-nuß der Kunst und Natur bei einem Glas Eiswasser und einer ka-nsta (Brodsuppe); man steigt hinauf zu Raphael in den Vatikan, undvergessen sind alle Sorgen und jeder Kummer. Es mag wahr sein,daß die geistige Rückerinnerung mehr sieht als das leibliche Auge,und das zn bescheidene deutsche Auge ist ohnehin gewohnt, im Aus-lande Schönheiten zu sehen, die es auch daheim finden könnte. Esist leider wahr, daß diejenigen, die sich ganz dem Schönen und derKunst hingeben, leicht das Lebendige einseitig und flach beurtheilen,melancholisch, wie Winkelmann beim Anblick der deutschen TücherAugsburgs, wie Stosch und Reifenstein, Mcugs, Angelika und Erd-mannsdorf. Ganz verarge man es aber dem gefühlvollen Manne,der jenseits der Alpen lebte, nicht, wenn er diesseits unwillkürlichtrauert. Indessen dünkt mich, Italien oder die südliche Natur beginntdoch erst jenseits der Apenninen und an den Ufern des Mittelmeers,und mein südliches Deutschland ist mir lieber als Oberitalien.