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sich stößt; uns personificirt der deutsche Michel, der sich selbst einenTritt vor den Hintern gefallen läßt, und fragt: „Was beliebt?" —
Wenn mir im Auslande ein Mann aufstützt, zu unbehülflich füreinen Franzosen, zu ceremoniös für einen Britten, zu treuherzig füreinen Italiener, zu biegsam für einen Spanier, zu lebhaft für einenNiederländer, zu bescheiden für einen Russen, ein Mann, der mitschiefen Bücklingen sich andrängt, und mit unbeschreiblicher EntsagungAllen huldigt, die er für vornehmer hält als sich, so sagt mir meinHerz und mein Blut im Gesicht: „Das ist Dein Landsmann!" Derberühmte Tanzmeister Marcel, zu dem einst ein Mann in den Tanz-saal trat und sich für einen Engländer ausgab, rief: „Sie ein Britte,der Theil hat an der Gewalt und Verwaltung seiner Insel? Nein!Dieser niedergesenkte Kopf, dieser schüchterne Blick, dieser ungewisseGang verkündigen mir nichts als den betitelten Diener eines deutschenFürsten." Vielleicht rührt daher die charakteristische Sitte, daß wirgeringen Leuten, die wir nicht zu nennen wissen, zurufen: „He,Laudsmann!"
Das Vornehm ist eine eigene deutsche Nationalunvernunft, diesich in diesem Sinne in keiner andern Sprache findet, und allen Be-griff von Gerechtigkeit zerstört, denn vornehm ist das, was vorausnimmt. Das verdammte Wort Vornehm ist gleich der noch ver-dammtern Licblingsphrase der deutschen Büttel aller Art: „Was? derKerl will noch räsonniren? Nur nicht räsonnirt!" Das heißt: „Nurnicht vernünftig gesprochen!" — Es gibt noch Deutsche, die es fürvornehm halten und leiden, wenn das Junker Jsraelchen während desEssens unterm Tische hernmkriccht und den Gästen vom Bürgerstande,als ein loses junges Herrchen, in die Schuhe pißt. Läßt sich da Energieerwarten?
Diese Hundsfötterei war eine Folge unserer politischen Splitte-rung und des daraus entsprungenen Kleinheitsgeistes, der sich, sohoffe ich, mit Verstopfnng der Quelle, mit der wohlthätigen Mediati-sirung heben muß. Kleine Länder, kleine Ideen; große Länder, großefreiere Ideen, die bisher nur der gereiste Deutsche hatte- Aber jetzt,da wir einige Energie gezeigt haben, gehen wir wieder mit unsererDeutschhest zu weit. Unsere Schriftgelehrtcn schreiben von Bildungeines deutschen Nationalcharakters wie vom höchsten Zwecke der Er-ziehung, als ob edle Menschenbildung nicht höher wäre; sie fabelnvom deutschen Freiheitssinn, deutscher Redlichkeit, Gutmüthigkeit, vondeutscher Keuschheit und Frömmigkeit, von deutscher Häuslichkeit und