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[Neunter Band. - Zehnter Band.]
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Es gibt wohl wesentlichere Unterschiede. Wo guter Wein wächst,da wachsen gute Köpfe; Bier ist flüssiges Brod, und Branntweinverklärtes Brod, und so genießt der Norddeutsche immer Brod, derMensch aber lebt nicht allein vom Brod, sagte der Heiland, sondernBrod und Wein sind die beiderlei Gestalten, die keine Magensäureaufkommen lassen, welche grämlich macht, daher der Biernordendas Land der Kritiker und Recensenten ist, der Zotte und Aristarche.— Der Frohsinn mag keine Grübler; er handelt und genießt; dieHeroen unter unsern Schriftstellern gehören demnach dem Süden durchGeburt, das Gewerbe mag dem Norden bleiben. Der Süden hatauch schönere Weiber, wie Wien und Prag, schönere Männer aberhat der Norden.

Süddeutschland übertrifft das nördliche im Acker-, Wein- undObstbau wegen seines glücklichern Klima's; dieses aber hat unstreitigbessern Garten- und Gemüsebau, vorzüglich Kartoffel. Der Südenhat schönere Dörfer und Städte, schönere Natur, bessere Wege, Postenund Gasthäuser, besseres Essen und Trinken, bessere Betten (wohin ichjedoch die kurzen Bettstellen und dicken Federbetten, in denen mannur sitzend und schwitzend schlafen kann, nicht gerechnet haben will)und freundlichere Gesichter.

Einen ausfallenden Unterschied, der wohl so wichtig ist als Erbsenund Spargel, macht noch dieSupPe, die der Süddeutsche täglich zweimalgenießt, der Norddeutsche in der Regel nur, wenn er krank ist. Daherhört man auch nur diesen sprüchwörtlich von einem Verschuldetensagen: „He sitt in der Sappen bet aver de Oren," und von einemHülflosen: „He silt in der Soppen!" — Der Süden zieht seinenReichthum aus der Erde, der Norden mehr aus Handel und Manu-fakturen ; der Norden hat weniger Schulden als der Süden, weil manda flotter lebt. Auch sieht man im Norden beim weiblichen Geschlechtkeine langen Zöpfe und Mieder wie Brustharnische, und bei Männernkeine Hosenträger. Sollten letztere bei der jetzigen Mode derBeinkleider getragen werden, so wird doch gewiß nicht damit ge-prunkt über der Weste. Noch ein Unterschied herrscht im Norden:das Strickzeug in den Händen der Männer wie der Weiber; selbstBauern hinter dem Pfluge stricken, während unsere Hirten entwederfaullenzen oder Bäume verderben, und auf noch schlimmere Streicheverfallen. Die Kartoffel allein verbindet die deutschen Stämme zueinem gemeinschaftlichen Bunde.

Bei solchen Verschiedenheiten wird es schwer werden, Einheit