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[Neunter Band. - Zehnter Band.]
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Niedrigste kann Großvczier werden, daher aber anch die wenigsten,die merkwürdige Familie der Kiupcrli ausgenommen, Männer vonVerdienst waren. Die Karavanserais des Morgenlandes sind öffent-liche Anstalten und fromme Stiftungen, in denen der Reisende nichtsbezahlt; unsere Gasthöfe sind Privatanstalten, wo wir in der Regelmehr zahlen müssen, als wir schuldig sind.

Die Häuser der Großen heißen Thore, weil ihre Hauptpracht indem Thore besteht, das vor dem Hofe in die Straße geht, wie dieFaqaden unserer modernen Häuser, und daher heißt der türkische Hofnoch heute die Pforte. Das berühmte Theben mit hundert Thorenwar eben eine Stadt mit hundert Palästen. Wir bauen in die Höhe,Stock auf Stock, sie zur ebenen Erde wegen der Hitze und weil sie zuträge sind, Treppen zu steigen. Unsere Straßen sind breit, die ihrigenenge wegen des Schattens; wir sitzen etwa vor den Häusern, sie aberaus den Häusern. Sie tanzen nie, aber hübsche Mädchen müssen vorihnen tanzen, und wo wir lachen, streichen sie sich majestätisch denBart. Heftiges Lachen halten sie für das Zeichen eines schwachenGeistes, und für so unschicklich als Traurigkeit und Weinen. Aischa,Mahomeds Frau, fand es höchst unanständig, daß man nackend aufer-stehen werde, der Prophet aber beruhigte sie: „Man lacht da gewißnicht, meine Liebe!" Lachen und Weinen halten sie nur für anständigfür das Geschlecht, sowie das viele Plaudern, aber eben darum anchalle Schönen nur für unvollkommene und halb gebildete Geschöpfe.Sie widersprechen nie und daher disputiren sie auch nie, weniger ausWeisheit, als aus Trägheit. Das ewige Fatum macht sie gleichgülnggegen Alles. Manche ihrer Sitten mögen vernünftiger sein als dieunsrigen; die Auswahl bleibt jedem Leser überlassen. Auf alle Fälleaber verdiente ihre Kleidertracht, gesünder, bequemer und schöner alsfranzösische Mode, unsere Nachahmung, wenn Mode nicht eine Des-potie wäre. Asiaten, auf die wir Franken hoch herabsehen, sind keines-wegs Asiner.

Die Hauptverschiedenheit ist wohl, daß die Orientalen Polygamen,wir aber Monogamen sind. Aber so wie es unter uns mehr Poly-gamen gibt, als man glaubt, so gibt es bei ihnen mehr Monogamen,als man im Abendlande annimmt; denn was die Gesetze erlauben,verbietet nicht selten die Armuth. Der Grund der Vielweiberei liegtnicht sowohl im frühen Verblühen der Schönheit, wie Montesquieumeinte, und auch nicht in der Ueberzahl weiblicher Geburten, sondernwohl am meisten im heißen Klima, das auf den Geschlechtstricb so