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[Neunter Band. - Zehnter Band.]
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weltliches, den Kubo oder Kaiser. Jenes hat die höchste Ehre, diesesaber die höchste Gewalt und die Einkünfte, und hier sind die Japa-ner vernünftiger, als wir im Mittelalter gewesen sind. Ihr Gebirgs-land ist mit unglaublichem Fleiße angebaut, und in ihren Kunstar-beiten übertreffen sie den Nachbar weit. Sie haben auch weit mehrWißbegierde und viel Genie. Ihre Kupfer-, Stahl- und Lackarbeitenund ihr Papier haben ihresgleichen nicht, und der wohlthätige Kamphermuß uns stets an Japan erinnern. Die Japaner sind unter allenOrientalen die Leute, die eine wahre Begierde nach europäischen Kennt-nissen und europäischen Büchern zeigen, die aber freilich sich bis jetztnur auf medicinische beschränkt haben: ihre Bücher mit unzüchtigenZeichnungen sind nur zu gut bekannt, und sie selbst entsprechen den-selben, denn nach Kämpfer ist jedes Wirthshaus ein Bordell, unddie Sinesen nennen Japan das Serail Sina's. Aber mit andernDingen geht es wie mit der Geschichte; sie ist ein Geheimniß desHofes, und nur Prinzen und Prinzessinnen schreiben sie.

In einem kleinen Lande sind auch gewöhnlich Manieren, Ge-danken und Handlungen klein, wie das Land oder Reich. Wie erstin dem abgesonderten Japan, wo der Argwohn der Regierung so weitgeht, daß selbst der Name des Kaisers erst nach seinem Tode bekanntwird. Der große Kubo fand es vermessen, daß Alexander es wagte,ihm zu schreiben; er nahm die Geschenke nicht an, drang aber demGesandten die seinigen auf. Die Russen lagen vor seinem Stellver-treter nicht lange genug und nicht platt genug auf ihrem Angesichts,und der Ceremonienminister drückte sie nochmals zur Erde. Krusen-stern mußte vier Wochen laug über das Aussteigen, und sechs Wochenlang über einen kleinen Spaziergang unterhandeln, Abschriften seinerDepeschen einschicken und wie ein Gefangener mit den Seinigen leben.Endlich kam ein Bevollmächtigter von dem Grade derer, die ihr Augebis zu den Füßen des Kaisers erheben dürfen, und endete das Ganzemit einem ewigen Verbote Japans! Wir lachen; aber hatten wirnicht im Jahrhundert der höchsten Aufklärung, mitten in Europa auchnoch einen solchen Kubo, des Dairo nicht zu erwähnen?

Die Japaner dulden alle Religionen, die christliche ausgenommen,und wer da weiß, was die Missionäre früher für Teufelei getriebenhaben, kann ihnen Letzteres nicht verargen, selbst nicht einmal die Ein-sparung der Europäer in Nangasacki, die damit zusammenhängt. DiePortugiesen hatten einst uneingeschränkte Handelsfreiheit und befandensich da trefflich, aber bald machten sie sich, wie anderwärts auch, durch