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[Neunter Band. - Zehnter Band.]
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In Hinsicht der Bewohner, deren Anzahl man zwischen hundertbis zweihundert Millionen annahm, hat Amerika schwerlich über sechs-rmddreißig Millionen, ist mithin noch immer eine menschenarme Wüste,fünfzig Seelen auf eine Quadratmeile! Es gibt ein vierfachesAmerika, ein freies uncivilisirtes, ein freies civilisirtes, ein europäi-sches und einen freien Negerstaat auf Domingo oder Haiti. Die Ur-einwohner, unschicklich Indianer genannt, irren in einzelnen Völker-stämmen umher und reden Mancherlei Sprachen, haben sich mit ihrenUnterdrückern vermischt und unter ihnen niedergelassen, oder sich indas Innere ihres Landes, in Wälder und Gebirge zurückgezogen, aberaußerordentlich vermindert. Amerika war bei seiner Entdeckung nichtstark bevölkert, wie sich von einem Lande nicht anders erwarten läßt,das so viele Spuren seiner Neuheit trägt; aber gering gerechnet konnteman doch dreißig Millionen Originalbewohner zählen, und jetzt viel-leicht kaum noch drei Millionen. Der ganze wilde Norden Amcrika's,größer als Europa, zählt vielleicht nicht mehr Bewohner als London.So kultivirten kultivirte Europäer, die Gold suchten, Amerika! Gelonmachte es den Carthagern znr Friedensbedingung, dem Moloch keineKinder mehr zu opfern; das hätte man in Peru und Mexiko auchthun können, aber die Spanier schlachteten lieber die Bewohner selbst;sie schlachteten Millionen ihrem Geiz und ihren Religionsvorurtheilen,andere Millionen verkümmerten in den Minen, durch Hunger, Kum-mer und Selbstmord, und der Spanier Serra de Lequicano, auf dessenBeuteantheil die große goldene Sonne im Tempel zu Cuzco gefallenwar, verspielte die Sonne noch vor Anbruch des Tages. Spanienselbst verkümmerte und verarmte auf seinen Goldhaufen, wie KönigMidas.

Nach der gelehrten Untersuchung über die Ursprache des Menschenist wohl keine andere auf lächerlichere Art geführt worden, als dieüber den Ursprung der Amerikaner. Auf die allernatürlichste Erklä-rung, daß diese Menschenkinder mongolischer Abkunft und aus demnordwestlichen Asien sein möchten, das so nahe an Nordamerika grenzt,daß es wahrscheinlich einst damit zusammenhing, verfiel man zu aller-letzt. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die vielen zerstreuten Insel-gruppen ehemals festes Land waren, so wie es vielleicht der Zu-kunft vorbehalten bleibt, dennoch die vielen vergeblichen Versuche einerDurchfahrt ins Eismeer oder in den indischen Ocean mittelst inländi-scher Flüsse und Seen zu realisircn. Auffallend, wie in keinem andernErdtheil, sind die verschiedenen Stämme und Völkerschaften, jede mit