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[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
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dienen Achtung, daher ich das komische Sprüchwort tadeln muß: Got-tes Wort vom Lande!

Die Hofprediger mögen immer die Höflinge machen, wie der Vor-gesetzte der schottischen strengen Presbyterianer, der dem geflüchtetenund flüchtigen König Carl H. seine Galanterien verweisen sollte: „Ichgebe Euer Majestät den Verweis, daß Sie die Fenster nicht zugemachthaben;" oder der noch feinere Hofprediger König Jakobs I-, der gernein der Kirche plauderte: er hielt stets in seiner Rede inne und be-hauptete, es geschehe aus lauter Respekt gegen Seine Majestät; anHöfen ist nichts mehr zu verderben. Aber auf dem Lande muß derWandel den Worten entsprechen, die Predigt macht dann desto mehrEindruck; denn die Zeit ist vorüber, wo Papst Urban zu Clermonteine so beredte Predigt hielt, die auch ein Zeitgenosse xigsrata kavunäia*nannte, daß allx Zuhörer auf der Stelle das Kreuz nahmen; der hei-lige Redner aber blieb zu Hause... Rührend predigte jener Pfarrerüber die Textesworte: „Wer zwei Kleider hat, gebe dem eines, derkeines hat," so daß ein Zuhörer gleich nach der Kirche seinen zweitenRock dem Pfarrer brachte; da ihm aber die Magd sagte, daß SeineHochwürden gerade die Kleider wechselten, so kehrte er wieder um:

He ine retirs,

kmsgu'ü a äeux kak!t8, He n'ai rien L lu! äire. ^

Vielleicht ist das Wort „Seelenarzt" Schuld daran; denn wo hat manje gehört, daß ein Leibesarzt das selbst verschluckt, was er verschreibt?

Billig hat unsere Zeit auf bessere Besoldungen mehr Rücksichtgenommen, als auf die sogenannten Stolgebühren, was manchen selbstliberalen Mann in den Ruf des Geizes brachte, während er doch Frauund Kinder zu ernähren hatte. In den ersten Zeiten der Kirche leb-ten die Lehrer von freiwilligen Gaben der Gemeinde, wie noch inAmerika, bald aber wurden Opfer, dem Herrn gebracht, daraus, Acci-denzien, Zehnten, Gebühren bis zum Beichtgeld; bei der Reformationschon sah man das Unschickliche davon ein, aber woher Besoldungennehmen? Der Staat trat in die Mitte, aber dürftig genug, wieLuther klagt, und so blieben die Stolgebühren, deren Abstellung sicher-lich die Würde der Religion erhöhen würde. Manche Pfarrer habenfür ein Dorf offenbar zu viel aus der Zeit, wo der Landesherr solche

1 Gepfefferte Beredsamkeit.

r Adieu, jetzt geh' ich weiter;

Ich kann ihm nichts mehr sagen — er hat ja selbst zwei Kleider.