Band 
[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
Seite
14
JPEG-Download
 

14

Gotha besuchte fleißig die Pfarrer, legte einst einem einen Dukaten inseine große Bibel und fand solchen nach einem halben Jahre glücklichnoch an Ort und Stelle. Der gemeine Mann glaubt noch heute, daßJeder, der studire, Pfarrer sein müsse, und der Mann, dessen Posau-nenstimme die Kirche füllt, unter dessen Last die alte Kanzel kracht,und der solche schlägt, wie Moses den Felsen, der ist der rechte! EinSpötter theilte die Herren in drei Klassen: rromxSs, glromxsttss,Iromxsurs. ^ Dem ist nicht mehr so, folglich auch die Vergleichungmit Trommeltauben nicht mehr zu Recht beständig, wozu das weißestrotzende Chorhemd Anlaß gegeben haben mag, neben dem Ueberschläg-chen, das die zwei Gesetztafeln Mosis vorstellen sollte, und an manchenOrten auch Büschen hieß von Bava, Speichel; aber wie lang ist es,daß solcher Religionsscandal aufgehört hat? Arme Menschheit! Esmacht komischen Effekt, wenn man sich den einfachen MenschenfreundJesus denkt, im Falle er wieder käme und das ganze theologischeSpektakel kennen lernte — vom Katholicismus mag ich gar nichtsprechen — aber ob er mit allem Hebräisch unter Protestanten Pfarrerwerden könnte? Er hat ja nicht studirt, und die symbolischen Bücherwürde er auch nicht unterschreiben: ans Kreuz würde er wohl nichtzum zweiten Mal genagelt, aber er wäre doch wohl übler daran, alsein vanäläatns 8t. Mnisterii, der ein Loch in die Kanzel bohrt,welcher Fall sich doch öfters muß ereignet haben, weil er Sprüchwortgeworden ist.

Aber nun genug! Wenn ich mir auch nicht defiuiren kann, wasist ein Theolog? so weiß ich, was ein Volkslehrer oder Laudpredigersein soll, und viele wackere Männer auch sind. Prälaten, Pfaffenund Mönche waren nur Kirchenungeziefer, und Wegweiser zum Him-mel, wie gar viele Wegweiser auf Erden. Männer, die durch gutesBeispiel Moral predigen, Freunde, Berather und Erzieher ihrer Ge-meinde sind, Trost der Armen, Kranken und Sterbenden, die einzigenGebildeten oft unter einem rohen Haufen, keine von Gott berufeneMittler zwischen Gott und Menschen, und durch die Ordination pri-vilegirte heilige Bergeber der Sünden, die nicht einmal sogenannteTheologen zu sein brauchten, sondern nur Lehrer guter Sitten undder Tugend durch Religion: diese sind höchst nützliche Männer imStaate. Wenn Religion dem Staate nützlich ist, so sind es auch die,die im Weltgetümmel sonntäglich darauf hinweisen, daß man sie nichtvergesse. St. Pierre nannte sie daher Okkioisrs äo morals;? sie ver-i Betrogene, Trompeten, Betrüger. — r Moralbeamte.