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[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
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Gellerts Prozeßkrämer tritt seinem frisch von Universitäten ge-kommenen Sohn einen Prozeß über einen Schweinstall ab; er endigtihn in einer Woche. „Esel," rief der Vater, „zwei Jahre hätte ichdavon leben wollen." Der Sohn staunte, wie jener Türke zn Wien:„Ich kam mit einem Prozeß auf einem halben Bogen und einer lan-gen Rolle Pistolen; jetzt habe ich mehr als zwei Klafter Papier, undmeine Rolle ist kaum noch einen Zoll lang!" Angehende Advokatenkönnen mit den Deserviten-Rechnungen so wenig umgehen, als dieneuwürttembergischen Beamten davon wußten; aber die Herren Snb-stituten wußten sogar die Rechnung jenes Advokaten: „Einen Thaler,daß ich Nachts zweimal aufwachte, um über den Prozeß nachzudenken;einen Gulden wegen Versäumniß, als ich mit Domino prinoixaii ^ zuMittag essen mußte rc." Nichts ist behufiger, als Arbeiten nachder Bogenzahl und sosguixsäalia Verba, 2 daher viele Prozeßordnun-gen Linien und Silben bestimmten, aber die Worte? Jener Beutel-feger juris machte aus den vier Silben: „Es verdienet," eine volleZeile, und der wackere Präsident schrieb an den Rand: „eine Strafevon zehn Thalern." Ihre hochtrabenden Phrasen und emphatischenTrivialitäten vermehren auch die Bogenzahl; wegen eines Streits übereine Zwischenmauer gerieth ein solcher Redner nach Troja und mittenin den Scamander, so daß ihn sein Gegner unterbrach: „Meine Parteiheißt Hansmichel und nicht Scamander," und von dem Hahnenproceßeines Matthias, wo der Anwalt viel vom Gallus Matthäi sprach, sichauch versprach und Galli Matthias sagte, kommt das noch gebräuch-liche köstliche Gallimatthias. ° Zuletzt ging es ihnen wie Böhmer;sie trugen ihre Phrasen selbst ins gemeine Leben über, und sagtennicht: „Laßt uns zu Tische gehen," sondern: „die so lange erwartetwerden wollende Mahlzeit benöthigt mich dergestalt und allermaßen,daß wir nun stracklich zum Tischverfahren zn schreiten gemeint sind."

Gott! welcher Unterschied zwischen brittischen, französischen undselbst italienischen Advokaten und unsern deutschen Zuugendreschernund Aktenschmicrern. Mau lese sie und dann des großen Deductions-schmierers Werke — Gott bewahre! nur seine Selbstbiographie. Ge-setzt, Pütters langweiliges Juristenleben von siebenzig Jahren, höch-stens von einer Andacht unterbrochen, sei einer Schilderung von 8 bis900 Seiten werth gewesen, wozu die geistlose Wiederholung seinervier Kollegien, seiner Jahresreisen nach Pyrmont, die Angabe bloßadeliger Zuhörer und seine vornehmen Bekanntschaften im Bade?

2 Dem Herr» Principal. — 2 Anderthalbschiihige Wörter. — 2 Geschwätz ohne S um.