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[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
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Die Alten bildeten Aeskulnp nicht umsonst mit einem dicken Barteab, er war ein Dons; ^ unbärtige Aerzte sind nurDoktores; um seinenStab wand sich eine Schlange, die der Kranke am besten kennt, seinHahn deutete auf Wachsamkeit, auf das Apropos, und unter dem ein-gehüllten Knaben Telesphorus an seiner Seite dachte man sich wohlden armen Kranken. Aesknlap begnügte sich mit einem Hahn —welche alte Genügsamkeit! Jetzt wäre Mancher mit einem ganzenHühner-stall nicht zufrieden. Man fordert aber jetzt auch vom Arzte,wenn Unmäßigkeit und Leidenschaft den Körper zerrüttet haben, Wun-der; er soll Gesundheit und Unmäßigkeit zusammenreimen, und daswäre nicht mehr werth als einen Hahn ? Nur Dr. Faust konnte hexen,und ein Arzt, der thut, was er kann, verdient nicht wie vr. LuthersArzt, Curio, behandelt zü werden; „die Praxis ist mager," sagt derMann Gottes in seinem Empfehlungsschreiben an den Kurfürsten,„ich selbst habe für viele Dienste nie nichts gegeben ohne (außer) einenTrunk Bier." Petrarka, Montagne und Molare gehören zu den be-rühmtesten Feinden der Aerzte, und übertreiben; in der Mitte liegtauch hier die Wahrheit, ihre Kunst kann wegräumen, das Haus rei-nigen, wenn auch nicht bauen; der wahre Arzt bleibt immer die Na-tur, Diät im Essen, Trincken, Beischlaf und Leidenschaften; Bewegungin freier Luft, Bad, Schlaf, Geduld; zwischenhinein ssiguars, xurgars,d^sterium äongrs; ^ der Kunst bleibt aber immer das Verdienst desApropos, und Sirach hat mehr Recht als obengenannte Spötter: „Ehreden Arzt, daß du ihn habest in der Noth, der Herr hat ihn geschaffen." *

Ich lobe den Mann, der nicht gleich nach dem Doktor schickt, derseinen Körper selbst beobachtet, und bei kleinen Unpäßlichkeiten kleineHausmttel hervorsucht, kein Weichling und Jeremias ist; aber derMann, der sein ganzes Leben seiner Wissenschaft gewidmet und amBette Kranker selbst Erfahrungen gesammelt hat, kann doch mehrwissen nnd eher das Apropos treffen. Krankheit umnebelt sogar denGeist, mher selbst Aerzte, wenn sie krank werden, einen gesunden Arztzn Rahe ziehen. Es bleibt einer der komischsten Widersprüche, daßMillioien Menschen sich um Alles mehr bekümmern als um das, wassie so iahe angeht, ihren Körper und ihre Gesundheit leichthin ohneWeiter s einem Arzt anvertrauen, wie die alten Dümmlinge ihr Seelen-

* hatte das Glück, erst im fünfundsechzigsten Jahre den Arzt kennen zu lernen,unL zw» einen, der öffentlich genannt zu werden verdient, und mein Freund wurde,vr. Fichbauer zu Künzelsau, und mein Aeskulap führt seitdem statt seines Schlangen-stabes eie Klystierspritze mit kaltem Wasser.

* Gtt. — 2 Aderlässen. Purgiren, Klystier geben.