Band 
[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
Seite
53
JPEG-Download
 

um die lindere fallen lassen, und so glimmen, daß man nichts mehrsieht; mit gepulvertem Bimsstein kann man sogar Messer, Seife undWasser entbehren. Die Mode verlangt aber einmal: keinen Bart! undso mag es auch Barbiere geben; sind doch die Barbierchirurgen seltenergeworden, die aus der Litanei das:

Vor Krieg, Hunger- und Waffcrsnoth,

Bewahr' uns lieber Herre Gotik

wegließen und dafür beteten:

BslNbrüch und Quetschungen beschere,

Uns -um Frommen, dir zur Ehre!

Jener Franzose, der den Barbier nicht wenig aushunzte, als dieserauf die Seife spuckend ihn einseifen wollte, hörte, daß nur Honora-tiores so behandelt würden, gemeinen Leuten aber geradezu ins Ge-sicht gespuckt und dann die Seife eingerieben werde. Dieser Barbierwar vielleicht derselbe, der ein armes Bäuerlein um Gotteswillen ra-sirte, aber so, daß jerier, da gerade der Hund brüllte, fragte: „Wirdder auch vielleicht um Gotteswillen rasirt?" Jenem aber, der unent-geltlich klystirte, sagte doch der Kranke: „Gott geb' es Ihnen dreifachwieder!" Selten sind die humoristischen Britten, die, wenn sie rasirtund dabei geschnitten werden, doppelt zahlen: „Hier fürs Rasiren undhier für die Aderlässe;" es gibt Deutsche, die dem Dorfbarbiersechs Kreuzer geben und ebensoviele Ohrfeigen. Seit die Duelle undPrügeleien seltener geworden sind, wie die ständigen Aderlaß- undSchröpftage, sind die Herren mit der Messingflasche und dem grünenPortefeuille unterm Arm übel daran; noch weniger macht man siejetzt noch in Rußland zu Kollegienräthen und Kollegienassessoren; soll-ten wir ewigen Frieden bekommen und wieder Bärte tragen, so sinddie Leutchen zu bedauern, wie die Perrückenmacher und Friseurs, undAlle, die bloß von der Thorheit Anderer leben.

Es ist ein großer Fortschritt unserer Zeit, daß Barbier undChirurg nicht mehr für eins gelten, und um dies ganz zu würdigen,muß man auf dem Lande gelebt haben; gar viele Barbierer- oder so-genannte Baderskuren glichen der alten Manier, Grindköpfe zu heilen,ein tüchtiges Pechpflaster darauf und dann mit einem Ruck Pflaster,Grind und Haar vom Kopfe! Mit Blutegeln mag es auch manch-mal so gestanden haben; indessen fand man einst einen Landmann,der in's Wasser ging, um sich, zur Ersparung der Aderlässe, von Blut-egeln bedienen zu lassen, todt, überdeckt von diesen Würmern. Jener