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Dorfbarbier, den das Amt nach dem Walde sandte, nm einem Er-hängten zur Ader zu lassen, gehorchte auf der Stelle, ließ aber denMann immer baumeln, und meldete, „daß nichts mehr zu machengewesen;" solche Leute mußte es auch geben, um das Handwerk selbstdem Volke verächtlich zu machen, das noch den Aberglauben hatte, essei gut, dem Verstorbenen das Messer, womit er zuletzt rasirt wordensei, mit in den Sarg zu geben, was ein gutes Accidens war und dasbeste Mittel, alle schlechten Schermcsscr noch gut an den Mann zubringen. Im Tom Jones sagt der Barbierchirurg Benjamin: „EinBarbier mag lachen machen, aber ein Chirurg macht schreien," ist folg-lich eine ernstere Person.* Am besten scheinen sich noch die HerrenHebammenmeister, Accouchenrs, zu stehen, denn die Weiber werdenhoffentlich nicht aufhören, niederzukommen, und es wäre gegen allenAnstand und Mode, allein niederzukommen, wie eine Wilde. JenerSenftenträger zu Wien, der eine Carolin zahlen maßte, rief: WosIeine Carlin! i trog den wampichsten Hausherrn für einen halbenGulden eine Stunde, eine Carlin für ein Kind, und so kurzen Weg?Die Alten kannten schon diese Herren, aber bei uns widersetzte sichlange die Schamhaftigkeit, und die Sache hat viel für sich; besondereweibliche Aerzte für weibliche Krankheiten und Gebrechen wären sogarzu wünschen; die Schamhaftigkeit verbirgt sie vor Männern; tausendSchwängern hat Scham zur Unzeit schon die Grabesthüre geöffnetund die Weltthüre den Kindern verschlossen, obgleich sie wieder denersten Accoucheur schuf, indem man durch keine Hebamme die Schwanger-schaft der La Valisre verrathen wollte. Indessen, wenn wir die Bor-urtheile so vieler Hebammen bedenken, die manchen Dümmling aufdem Gewissen haben, dessen Köpfchen sie hübsch rund drücken zu müssenglaubten, und an dessen Näschen sie auch allerlei zu zupfen hatten, sodaß ihre herkömmliche Versicherung: „Aber das Kind ist dem Papawie aus dem Gesichte geschnitten," noch das Vernünftigste ist, weilsie zum Frieden dient, so wollen wir immer die männlichen Geburts-helfer vorziehen, wo es Noth thut; hat ja unsere Zeit auch Säug-ammen, wenn gleich keine die Mutter zu ersetzen vermag, und Lud-wig XIV- gar vier, der mit Zähnen zur Welt kam, die erste, zweiteund dritte wegbiß, bis die vierte allerunterthänigst dem kleinen Beißereinen tüchtigen Klatsch auf den Hintern zu geben wagte, was bei den
* Ich erinnere mich, als Knabe den Chirurg in meinem Vaterstädtchen selbst schreiengehört zu haben; er liebte den Trunk und mißhandelte dann seine Frau; die Klagenkamen so häufig, daß ihm das Amt vor dem Amthause und dem ganzen Städtchen, daser rasirte und chirurgisirte, sünfundzwanzig Prügel geben ließ.