thematik in 6 Bänden 8. ist mir eines der werthesten Bücher ansmeiner Jugendzeit.
Nichts vermag die zügellose Einbildungskraft eines achtzehnjähri-gen Jünglings besser im Zaum zu halten, als Mathematik; nichtsbesser den Geist zn wecken, wenn man auch in spätern Jahren nichtmehr wissen sollte, daß die Winkel des Triangels 180° machen, derCirkel 360° hat, und der Magister Matheseos so verwirrt erscheint,als nur der Gedanke Gott und Ewigkeit. Höchstens bleibt ein wenigArithmetik übrig, weil sie doch in der Oekonomie so nöthig ist, alsdem Wilden seine zehn Finger; Viele vergessen indessen aber dennochdas eigentliche Rechnen und selbst das Einmaleins, aber dividiren übersich, wo man weniger hinter die Fehler kommt, als beim unter sich;zerfallen zuletzt ans arithmetischen gar in geometrische Progressionenund enden mit Brüchen. Mathematiker und Physiker sind unter allenGelehrten diejenigen, welche sich am wenigsten durch Widersprüche ent-zweien, und sich am meisten selbst gleich sind, wie die Thiere; dieseleitet der Instinkt, jene die Demonstration, und daher findet man auchkeine Schwärmer, wie in der Welt des Unsichtbaren, die Chemikeretwa ausgenommen, die mehr Räthsel lösen wollen, als dem Menschenzu lösen die Natur verstattet hat. Wolfianer und Kantianer kämpftennicht giftiger mit einander als Phlogistiker und Antiphlogistiker.
Groß und begeisternd sind die Fortschritte, welche die Physikmachte, wenn wir zurückblicken in das Alterthum, Fortschritte, welchedie Vernunft leicht übermüthig machen könnten, so daß ein bischenMetaphysik nicht übel ist, damit Gott, Freiheit, Tugend und Unsterb-lichkeit nicht stolz entthront und das Seelenauge von dem Leibesangeausgestochen, und für ein krankhaftes Doppelsehen gehalten werde.Wir haben gesehen, wie viel die Polypheme Frankreichs fanden, dieden Krebsen mit sehr großer, und daneben ganz kleiner verkümmerterScheere glichen; wer wollte nicht lieber ein Mittelkrebs sein mit zweigleichen Scheere»? Mathematische Wissenschaften allein haben nochkeine Nation der Barbarei entrissen. Die Lichtenberge sind selten;er äußerte, gerade weil er ein großer Physiker war: „Ich getraue mirimmer weniger, über die Urstoffe der Körper mit Gewißheit zu spre-chen, je länger ich mich mit der Naturlehre beschäftige, und doch sindNaturwissenschaft und Mathematik die einzigen Wissenschaften, welchestets unumschränkte Preßsreiheit genossen, ob man gleich manche ihrerSätze im Wasser-, Berg- und Festungsban gefährlich hätte finden kön-nen." Professor Kraus zu Königsberg pflegte von dieser erhabenen