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[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
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Herzog von Bourgogne, „um zu sagen, König Carl XI. war närrisch?"— „Ich werde sagen, er war närrisch." — „Warum schildern SieLudwig XI. als Tyrannen?" fragte Ludwig XIV. Mezeray. — „Sire!warum war er ein Tyrann?" Rücksichten den Lebenden, aber Wahr-heit den Todten! Wenn es ehrliche Geschichtschreiber auch so weitbringen, daß sie ohne Stand, Vaterland und Religion, wie manverlangt hat, schreiben werden, so bleiben noch zwei Steine des An-stoßes, Gehalt und Leidenschaft. Das erste Gesetz, das Cicero demGeschichtschreiber auferlegt, ist schwer zu erfüllen: Xs quiä tnlsi äiversnnilsat, no quick veri non aucksat. * ^

Und die noch nützlicher sein könnenden Selbstbiographien?Sie sind häufig Romane; alle Selbstbiographen vom heiligen Augustinund Cardanus an bis herab zu Jean Jacques und dem juristischenHans Stephan Pütter haben nie ganz zu ihrem Nachtheile gesprochen.Der Zufall wirft oft unbedeutende Männer an bedeutende Plätze,und so erheben sie wahre Kleinigkeiten zu höchst wichtigen und seltenenDingen, die dem schärfern Auge bloß als lächerliches Denkmal derEitelkeit erscheinen. Man fühlt seine Wichtigkeit, wenn sie auch dieWelt nicht fühlt, und macht sich Luft; Selbstliebe ist ja unsere Erb-sünde; aber wir beflecken unsern bestgegrnndeten Ruhm, wenn wir^ In Dumonriez schreiben und beweisen, überall folgerecht gehandeltzu haben, was daher Napoleon auch bleiben ließ. Wir haben Selbst-biographien. denen Alles wichtig ist, was keine fremde Seele interessirenkann; wir haben Antobiographler, die nicht bloß ihren Geburtsort,sondern selbst den Empfängnißort gemeldet haben, und was könnendie Biographiegelehrtcn sagen, wovon die wenigsten gelebt, sondernnur stndirt, geschmiert und noch ihren Leichnam dem Verleger ver-kauft haben? Sie können wenig sagen, wenn sie nicht Alles sagen,was bei Geburt und Taufe, auf Schule und Universität vorgefallenist, oder was sie gar mit einem Großen gesprochen haben und diesesso gründlich und mit frommen Betrachtungen begleitet angeben, wieunsere Büsching und Pütter, damit das Ausland, in Ermanglungkomischer Romane, doch etwas zu lachen habe, und noch länger vondummen Deutschen spreche. ** Jungs oder Stillings gemüthliche Selbst-

Sammlungen dürfte man wohl auf strengere Auswahl Rücksicht nehmen.Dchlichtegrolls trefflicher Nekrolog sündigt hier nicht selten. und nun erst die noch fort-dauernden Zeitgenossen!

** Forrney's Louvemrs ä'un 6ltovsn wurden einst viel gelesen, und noch heute wirdman sie lieber lesen, als Büsching und Pütter.

* Er wage nicht etwas Falsches zu sagen und scheue sich nie, das Wahre zu sagen.