Band 
[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
Seite
124
JPEG-Download
 

124

Baron, dcr RoScius seiner Zeit, sagte: „Tragische Schauspielersollten an den Brüsten von Königinnen gesäugt werden," und vonsich selbst: „Jedes Jahrhundert erzeugt seinen Cäsar, einen Baronaber kaum jedes Jahrtausend." Sein Kutscher und Bedienter wurdeeinst von den Leuten Byrons geprügelt, und bei seiner Beschwerdedarüber wiederholte er so oft: „meine Leute »nd Ihre Leute," daßByron losbrach: „Was Teufels! willst Du denn durchaus, daß ichDir sage: Wozu brauchst denn Du Leute?" — „Wissen Sie wohl,daß ich den Nathan in Nathan dem Weisen spiele?" sagte dcr Di-rektor einer kleinen Truppe. „Und wer spielt denn den Weisen?" wardie Gegenfrage. Ein französischer Schauspieler zu Rastadt, lange keinTalnia, sagte mir: >ls ouis toi trop bon.' Die Großen und dieTheatcrwelt verderben diese so überflüssigen Leutchen. „Es ist nurein Gott und ein Bcstris," sagte der Tänzer. — So sprechen wederHomer noch Halber, weder Franklin noch Kant, und richtiger Ware:„Es ist nur ein Gott, und ein Narr, wie ich."

Alle impertinente Künstlerlaunen, wovon die Geschichte der Kunst-welt wimmelt, würde man zu Peking auf die einfachste Weise kuriren —durch den Bambus. Wenn da Vinci in den Armen Königs Franz I-von Frankreich verscheidet, so war es der einzige da Vinci, und wennCarl V. Titiaus Pinsel aufhebt, so war es der Pinsel eines Titians;aber wie viele Große heben nicht Pinsel auf, die nichts von Titianwissen? Indessen der Umgang mit Großen, wie z. B. Leo X. mitRaphael, erhöht die Begeisterung bei manchem Künstler mehr als Ge-schenke, und vielleicht verdanken wir die Meisterstücke Raphacls, Ti-tians, Correggio's und Paul Veronese's jenem Umgänge, diese Meister-werke, die den Freund der Kunst in poetische Begeisterung versetzen,wem: er kein Krebel ist, dcr in seiner Reise von der Venus vonMedicis nichts weiter zu sagen hat, als: „Hier steht auch die Venusvon Weißen: Marmor, die alle Vollkommenheiten eines wohlgebildetenweiblichen Körpers besitzen soll." krooul osts protnui!^

Canova war der größte Bildhauer meiner Zeit, und seine Hebedarf sich kühn neben jene Venus stellen, und Viele haben selbst seinenPerseus über Apollo gesetzt; ja der Künstler muß selbst davon einge-nommen gewesen sein; denn in seiner Wcrkstätte stand er höher undin besserer Beleuchtung, als ein Gypsabguß von Apollo. SeinenTheseus auf dem erschlagenen Miuotaur, sein Monument für PapstClemens XIV., den liebenswürdigen Gauganelli, und seinen Amor> Ich bin viel zu gut für Rastadt. — r Bleibt ferne, ihr Angereihten.