Band 
[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
Seite
147
JPEG-Download
 

147

wohl noch keiner gebetet, als jener alte Schulmann, ein starker Meta-Physiker: „O mein Gott, wenn du bist, erbarme dich meiner armenSeele, wenn ich eine habe!"

Unter die Schulmänner zähle ich auch die Herren Professoren,und wahrlich, manche Vorlesungen darf man unter die Pedantereiennicht minder zählen in unsern Zeiten, wo Alles gedruckt in der Stilledes Zimmers und bei gehöriger Stimmung bester eingenommen werdenkann. Zur Zeit der Seltenheit der Bücher und ihrer Kostbarkeit vorErfindung der Presse waren die Sachen durchaus verschieden, sowienoch heute ungefähr Vorlesungen über Naturwissenschaften, angewandteMathematik, Chemie, Anatomie rc. durch Vorzeigung der Gegenständein naturs oder Abbildungen höchst nützlich sind; aber in gewissen an-dern Zweigen der Wissenschaften? Hier wären große Reformen zuwünschen; es ist ja so manche Pedanterei bereits verschwunden, undes ist die Frage, ob Schullehrer noch jetzt vom Traktiren sprechen?Das Latein ist wenigstens aus der Muttersprache verschwunden, undfast sollte ich glauben, daß das komische Wort Traktiren auch derJugend unbekannt geworden sei, da ein Knabe auf die Frage desRektors: „Nun, was traktirt heute sein Herr Präceptor?" antwortete:„Nichts, wir haben bloß Speck und Erbsen."

Viva, vox äoost! r schreit vielleicht ein Veteran; aber nur Heftianerglauben noch daran, und ihre eigenen Hefte könnten sie am bestenwiderlegen. Man höre manche lendenlahme vox vivs, des Katheders;man greife in den eigenen Busen: wie stand es einst mit deiner eige-nen Aufmerksamkeit in Kollegien? Man gebe seinem Sohne, der sichden Wissenschaften widmen soll, nach vernünftiger väterlicher Prüfungzu bedenken: hat der Herr Sohn auch Beruf dazu? ist er ein znvsnisoxtimas spei, 2 mein Herr Rektor sagte? Das Honorar ver-wendet man lieber dazu, sich gute gedruckte Bücher zu kaufen, odernoch bester, wenn Wohlstand da ist, vertraue man den Sohn dem Pri-vatunterricht eines tüchtigen praktischen Mannes. Unser Universitäts-schlendrian bringt wahrlich mehr Böses als Gutes hervor, wenn wirdie Gefahren für Vermögen, Gesundheit und Sitten vor Augen habenund Pedanterei erscheint noch als das kleinste Uebel.

Ich weiß nicht, ob man noch Georgia Augusta statt Göttingen,Eberhardina Carolina statt Tübingen, Christiane Alexandria stattErlangen schreibt. Rinteln ist nicht mehr die Academia Ernestina,folglich schreibt auch kein Franzose mehr ä Nr. H. H., kroksssour L1 Das lebendige Wort belehrt. — 2 Hoffnungsvoller Jüngling.