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XI.

Lob und Preis der Wissenschaften.

Haben die Wissenschaften der Gesellschaft und dem Staate mehrgenutzt als geschadet? — ist eine ebenso große und wichtige Frage,als die das Christenthum betreffende, und beide Fragen sind noch heutenicht ganz zergliedert, noch weniger abgeurtheilt. Die Gelehrten sindschon empfindlich darüber, daß man nur fragen und zweifeln mag,und man hat über Jean Jacques gelacht, der doch um eines akademi-schen Preises willen Apollo verläugnete, wie Judas seinen Herrn undMeister um 30 Silberlinge. Schon lange vor Hans Jakob aber sagteEpikur: 7i«i8el«v -r«a«v seifte" (worunter er wohl gelehrte Bildung ver-stand), und Sieur Cicero gab auch wahrlich Veranlassung genug zumgelehrten Aerger. Das -?«-7xovre? eivm ao-pck ° mag ich gar

nicht verdeutschen, da es gar viele hohe Deutsche gibt, die ohnehinschon so sprechen.

Der wohlhabende, gebildete Europäer ist glücklicher als der wildeJndier, und wem verdankt er das? Der wilde Jndier aber erscheintwiederum glücklicher als der arme, gemeine Europäer und das ist dochdie Mehrzahl. Der rohe Sohn der Natur hat bloß mit den Uebelndieser Natur zu kämpfen, gegen die er abgehärteter ist, als der Sohnder Kultur, und nun kommen hinter letzteren erst noch die Uebel derGesellschaft. Auf den trübsinnigen und einseitigen Jean Jacques wirdsich Niemand berufen, der auch nie Europa verlassen hatte, aber manlese Le Vaillant und Pallas; ihnen war es unter Hottentotten undTataren weit wohler, als zu Paris und Petersburg.

Nie hörten Reisende die Wilden sagen, daß sie unglücklich seien;man vergleiche einmal damit die Jeremiaden auf unsern Dörfern, odergehe in die Vorstädte großer Städte. Die Völker der Natur genie-ßen das höchstmögliche negative Glück, sie haben wenig Bedürfnisse,und doch in der Regel die Nothwendigkeiten des Lebens; man findet

1 Die Kunst wird nur von Unwissenden gehaßt.

2 Wehe jegliche Bildung. — 2 Die, welche sagen, sie seien weise, Pflegen Thorenzu sein.