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[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
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geht es fast wie mit dem Dasein eines leiblichen. Wissenschaft gibteigentlich weder Stand noch Rang, sie gehört ins Geisterreich; nurKörper werden rangirt und drängen sich zum Rang. Wissenschaftenvertreten die Stelle des Standes bei denen, die keinen haben, undgewähren hie und da Auszeichnung, die mehr sagt, als der Rang;man huldigt unwillkürlich der Schönheit des Verstandes, so wie mander Schönheit des Körpers huldigt; I'ssprit est uns ckiAnito, ^ sagendie Franzosen und handeln darnach; in Deutschland muß erst dieMaxime übersetzt werden. Diese Achtung, die man dem Geiste er-zeigt, ist oft reine Selbstliebe, denn sie beweist ja, daß man selbstGeist hat, oder macht es Andere glauben. Indessen ist die Vogelper-spektive nur für die Adler; kleinere Vogel begnügen sich mit wenig,und dumme sind gar Feinde der Adler, denn sie glauben, daß mandas thue, was sie thun würden, wenn sie Adler wären.

Der Weltmann, der Sinn für Wissenschaften hat, steht hoch überdem bloßen Lruäito, wie rührige, kraftvolle Germanen über thatlosen,ausgearteten Römern und Byzantinern mit allen ihren von bessererVorzeit ererbten Schätzen. Studien, die aus dem Leben hinausziehen,und bloßes Wissen an die Stelle der Weisheit setzen, machen den Mannzu einer Maschine, die hin- und herschwankt ohne Geist und Urtheil,arm, dumm, unerträglich durch Affektation oder Naseweisheit, oder garRusticitäten. Seine Schriften, voll Citate, sagen uns, was er gelesenund gelernt hat; die Bücher des Mannes von Welt leben und sagenuns, was er selbst gesehen, gedacht, empfunden und gethan hat, wiedie Bücher der Alten; sie unterrichten nicht bloß, sie thun weit mehr,sie bilden den Geist und veredeln Herz und Charakter. Das Beste inden Wissenschaften verdanken wir nicht den Spekulanten in ihremStudirloche, sondern den Männern, die in der Welt lebten und inGeschäften thätig Erfahrungen sammelten, durch eigene Beobachtungenihren Geist schärften und dann in der Ruhe des Abends in den Wis-senschaften ihre Erholung suchten aus Büchern, die der Welt undMenschheit angehören und den Platz im Hause eben nicht versperren,Plato, Aristoteles, Plutarch und Lucian, Cicero und Horatius, Eras-mus und Baco, Macchiavelli, Montagne, Rousseau, Voltaire, Kant,Wieland, Goethe Herder, Schiller, Klinger, Shakspeare, Sterne, Hume,Don Quixote und Thümmel nicht zu vergessen.

Es gibt Gegenstände, die vorzugsweise den Mann von Geist an-sprechen: die Natur, die Philosophie des Lebens und das Höchste und> Der Geist ist üne Würde.